Orts-Chronik

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Übersicht

 

·         ZUM GELEIT! ·         Vorwort ·         Nachtrag zum Vorwort ·         Zur Gründung und Entwicklung der Gemeinde Rothenthal ·         Wesentlichen Fakten der industriellen Entwicklung und des Handwerks der Gemeinde ·         Entstehung und Entwicklung der Holzwarenfabrik Louis Winkler ·         Ausgangssituation vor und nach dem 8.Mai 1945 ·         Wiederaufnahme der politischen Tätigkeit von KPD u. SPD ·         Verordnung über die Bodenreform vom 10.9.1945 ·         Gründung von Parteien u. Massenorganisationen ·         Wahl der ersten Gemeindevertretung in Rothenthal ·         Durchführung des Volksbegehrens vom 23.5.- 13.6.1948 ·         Durchführung der Währungsreform vom 21.- 28.6.1948 ·         Hochwasser der Natzschung 1954 ·         Quellfassung 1954 ·         Bau eines Kirchengemeindehauses "Stephanskapelle" in Rothenthal 1954 ·         R. Kunz, Bürgermeister 1955 ·         Der Bau eines Kindergartens ·         Eingemeindung des Ortsteils Olbernhau-Pföbe 1957 ·         75-jähriges Schulfest 1956 ·         Bildung Handwerker Produktionsgenossenschaft 1956 ·         Mühlgraben verrohrt 1958 ·         Einweihung Kindergarten 1959 ·         Gründung eines Spielmannszuges 1959 ·         Brand im VEB Papierfabrik Rothenthal ·         Durchführung der 1.Dorffestspiele 1962 ·         Weihe und Übergabe der Turnhalle 1963 ·         VEB Wasserversorgung übernimmt Wasserversorgung in Rothenthal 1964 ·         VEB Sturmlaterne kauft Fa. Ulbricht 1964 ·         Bau einer Schutzhütte auf dem Stößerfelsen 1967 ·         Errichtung neuer Transformatoren-Stationen 1966 ·         Hochwasserkatastrophe 1967 ·         Schaffung einer Umkehrstelle im Steinbruchgelände 1967 ·         Straßenstützmauerbau und Beschotterung des Oberen Weges 1968 ·         Bildung eines Schulkombinates Olbernhau - Oberneuschönberg - Rothenthal ·         Der Stand der Wohnverhältnisse um und vor 1945 ·         Entstehung und Entwicklung des VEB Holz- und Drechslerwaren Rothenthal ·         Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens nach 1945 ·         Gründung des Volkschores ·         Entstehung und Arbeit von Singgruppen ·         Gründung und Arbeit der Kulturgemeinde ·         Arbeit von Tanzmusikgruppen ·         Wiedereröffnung und Arbeit der Gemeinde-Bibliothek ·         Die Entwicklung der Schule nach 1945 als wichtiger Träger des geistig-kulturellen Lebens ·         Das 100-Jährige Schuljubiläum ·         Gründung und Tätigkeit des Spielmannszuges in Rothenthal ·         Die Erneuerung der Straßendecke ·         VERMÖGENSVERZEICHNIS DER GEMEINDE ·         Gefallene des 1. Weltkrieges 1914 – 1918 ·         Gefallene des 2. Weltkrieges 1939 – 1945 ·         Wahl der Gemeindevertretung am 6.5.1990 - Konstituierung am 1.6 1990 ·         DER GEMEINDERAT ·         Übergang zur Wende 1989 ·         W a h l e n nach der Wende


 ZUM GELEIT!

CHRONIKEN BEHERBERGEN GESCHICHTE UND IN IHNEN LIEGEN DIE SEELEN VERGANGENER ZEITEN. IM LAND SACHSEN WURDE IN DEN ZURÜCKLIEGENDEN JAHRHUNDERTEN ZEITGESCHICHTE GESCHRIEBEN. DASS DIESE GESCHICHTE BIS 1989, DEM JAHR DER WENDE ZU DEMOKRATISCHEN STRUKTUREN IM OSTEN DEUTSCHLANDS AN BEDEUTUNG VERLOREN HAT,  LIEGT NICHT AN DEN BÜRGERN SACHSENS. SONDERN AN DEM BIS DAHIN HERRSCHENDEN REGIME. DIE MACHT DER VOLKSBEWEGUNG HAT DIESES BESEITIGT UND FÖDERALISTISCHEN STRUKTUREN EINE BASIS GEGEBEN.

DEM LESER DER CHRONIK WIRD EINE BESTANDSAUFNAHME BIS ZU DIESEM ZEITPUNKT ANGETRAGEN. ER WIRD MIT DEN SORGEN DER KOMMUNE UND MIT DEM BEMUHEN DER BÜRGER VERTRAUT GEMACHT. NICHT NUR ERFOLGREICHES WIRKEN. SONDERN AUCH SCHWERE ZEITEN GEBEN DARIN ZEUGNIS VON DER ARBEIT BEMÜHTER IDEALISTEN DER JÜNGSTEN UND FRÜHEREN VERGANGENHEIT

J EDES MITGLIED EINER GEMEINDE SOLLTE DIE VERGANGENHEIT INTERESSIEREN UND ES SOLLTE DIESE IN ALLEN WICHTIGEN PHASEN UND EREIGNISSEN NACHVOLLZIEHBAR ERLEBEN KÖNNEN.

UNSERE JUGEND UND UNSERE KINDER SOLLEN IN DIE LAGE VERSETZT WERDEN, DIE GESCHICHTE IHRES HEIMATORTES KENNENZULERNEN UM SICH NACH UND NACH MIT IHR ZU IDENTIFIZIEREN.

ABER AUCH DIE ÄLTERE GENERATION KANN IN DIESES BUCH EINBLICK NEHMEN, UM WEGE IHRES EIGENEN LEBENS NACHZUVOLLZIEHEN.

ES IST DAHER NICHT NUR WICHTIG, SONDERN AUCH SEHR ZWECKVOLL -- BESONDERS IN DEN ZEITEN EINES NEUBEGINNS --_ EINE CHRONIK ANZULEGEN.

DIE ERINNERUNG AN EINST GESCHÄTZTE MITBÜRGER, DIE ZUSAMMENSETZUNG DER NACH 40 JAHREN ERSTMALS DEMOKRATISCH GEWÄHLTEN GEMEINDERÄTE UND TATSACHEN, DIE DIE ENTWICKLUNG, AUCH IN DEN KLEINSTEN ORTEN PRÄGTEN UND PRÄGEN, SOLLTEN NICHT IN VERGESSENHEIT GERATEN.

DIESE CHRONIK HÄLT 20 JAHRE LEBEN, ARBEITEN UND FEIERN IN EINER KOMMUNE FEST.

SIE KANN VON LAIEN GEFÜHRT WERDEN UND ERHÄLT DADURCH IHREN BESONDEREN REIZ, OHNE AUF HINWEISE WISSENSCHAFTLICH GESCHULTER HISTORIKER VERZICHTEN ZU MÜSSEN.

IHR HISTORISCHER WERT VERMEHRT SICH SO VON TAG ZU TAG MEHR.

FÜR MICH IST ES DAHER EINE BESONDERE FREUDE, AUF DIE SCHÖNE UND ZWECKMÄSSIG GESTALTETE, VOR IHNEN LIEGENDE GEMEINDE-CHRONIK HINZUWEISEN.

NEHMEN SIE SICH EIN WENIG MEHR ZEIT ALS BEIM DURCHBLÄTTERN EINER BUNTEN ILLUSTRIERTEN, LESEN SIE EREIGNISSE UND FAKTEN HERAUS UND GEBEN SIE DAS GELESENE RUHIG WEITER, DENN IN DIESEM BUCH STELLT SICH EINE KOMMUNE VOR.

ICH WÜNSCHE MIR AUFRICHTIG, DASS IN DIESER CHRONIK DER TATSÄCHLICHE STELLENWERT DER ARBEIT VIELER MENSCHEN UND EINE UMFASSENDE DOKUMENTATION UNSERER GEMEINDEN VON GRUNDSÄTZLICHER NATUR NACHGEWIESEN WERDEN KANN.

 

 

                                         FÜR DEN SÄCHSISCHEN STÄDTE- UND GEMEINDETAG

Reinhard Jung                       

 

 

Vorwort 5 + 6

V o r w o r t

zur Ortschronik der Gemeinde R o t h e n t h a l

In einer Gemeindevertretersitzung am Ende des Jahres 1986 wurde ich, Werner Schönherr, nach 41-jähriger Tätigkeit als Lehrer und 37-jähriger Leiter der Schule bzw. Teiloberschule offiziell verabschiedet. Bei dieser Gelegenheit wurde vom Bürgermeister, Herrn Werner Prockl, der Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass ich die seit einigen Jahren nicht mehr besetzte Funktion des Ortschronisten übernehmen möchte. In einer Ratssitzung Ende Februar l987 wurde diese Bitte untermauert und im März erhielt ich die vom früheren Ortschronisten angefertigten Karteikärtchen des Koll, Otto Schönherr ausgehändigt. Diese Notizen sind nur mit Bleistift auf kleine Kärtchen geschrieben und zum großen Teil sehr schlecht, z.T. gar nicht lesbar. In Anbetracht der Situation habe ich die Aufgabe des Ortschronisten übernommen.

 

Als Grundlagen für die Ortschronik wurden verwendet:

- Karteikärtchen wie vorher erwähnt

- Befragung zahlreicher älterer Einwohner

-Übersicht der im 2.Weltkrieg gefallenen Einwohner (erarbeitet vom Koll. Werner Pollmer und teilweise vom Koll- Kurt Schönherr)

-eigene Erfahrungen u. Kenntnisse von Oktober l945 an

-Zeitungsartikel bzw. -ausschnitte

- Fotos von vor und seit l945

Die Chronik beginnt mit dem 8. Mai 1945 und greift in besonderen Fällen auf Vorgänge und Erscheinungen vor 1945 zurück.

Um ein übersichtliches System zu gewährleisten, ist es notwendig, die Ereignisse auf den wichtigsten Gebieten des gesellschaftlichen Lebens zu ordnen, also eine Gliederung nach bestimmten Schwerpunkten vorzunehmen. Dabei werden sich zwangsläufig Sachgebiete berühren bzw. teilweise überschneiden.

Es ist jederzeit möglich, nachträglich weitere Beiträge einzuarbeiten.

Es ist mein Anliegen, ein möglichst anschauliches und den tatsächlichen Ereignissen und Vorgängen entsprechendes Bild aufzuzeigen.

 

N a c h t r a g  z u m  V o r w o r t

Während mein Auftrag des alten Gemeinderates die Ausarbeitung einer Ortschronik ab 1945 lautete (Febr./März 1987), wurde ich etwa Ende April 1991 vom neuen Bürgermeister, Herrn Bernd Reichmann, angesprochen, ob ich – vorbehaltlich - der Zustimmung der neuen Gemeindevertretung – bereit wäre, die Ortschronik für Rothenthal weiterzuführen bzw. von der Gründung Rothenthals an auszuarbeiten.

Er bat mich, in der Gemeindevertretersitzung am 15.5.1991 über meine bisherige Arbeit kurz zu berichten. So geschah es auch. Die neue Gemeindevertretung erklärte sich einverstanden, dass ich die Ortschronik weiterführen bzw. von der Entstehung des Ortes an ausarbeiten möchte.

Ich bat um Unterstützung eines weiteren Mitarbeiters, dem man auch zustimmte. Leider hat sich bis heute niemand dazu bereiterklärt bzw. gefunden.

 

Um über die Entstehung und Entwicklung Rothenthals konkrete Aussagen machen

Zu können, wurden von mir zahlreiche Akten aus dem Kreisarchiv zur Sichtung und teilweisen Verarbeitung angefordert und ausgewertet. Ebenso durchforschte ich alte Protokollbücher der Gemeinde (ab 1839), um einige wesentliche Fakten und Aussagen zu bestimmten Vorgängen zu erhalten. Dabei wurde ich von den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung - besonders vom Bürgermeister, Herrn Bernd Reichmann, - jederzeit unterstützt.

Wesentliche Abschnitte über die Entstehung der Gemeinde Rothenthal wurden

aus der "Geschichte der Kirchfahrt Olbernhau", aus der Festschrift zur 300-Jahrfeier der Gemeinde Rothenthal und aus anderen schriftlichen Überlieferungen zusammengestellt und überarbeitet; Es handelt sich dabei um Fakten, aber auch um Hypothesen.

Vorwort_7

Zur Gründung und Entwicklung der Gemeinde Rothenthal

Gleich zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich darauf hinweisen, dass es zur  Entstehung und Namensgebung des Ortes Rothenthal mehrere Auffassungen bzw. Darstellungen gibt, von denen erst später kurz berichtet werden soll. Die bekannteste Darstellung fußt auf Paul Ottokar Pinter in der „Geschichte der Kirchfahrt Olbernhau“, die von Alfons Diener von Schönberg im Auftrag des Erzgebirgsvereins Olbernhau bearbeitet und in erweiterter Form neu herausgegeben wurde.

Dieser Darstellung ist zu entnehmen, dass im benachbarten Böhmen schon seit dem Jahre 1618 der Krieg in hellen Flammen ausgebrochen war. Aus den Akten des Sächsischen Staatsarchivs Rep. lX. Seet l, Nr.2705, Loc. 36 170, Blatt 5 – 8, ist zu ersehen, dass böhmische Geschäftsleute beabsichtigten, angeblich in der Nähe Grünthal eine Drahthütte anzulegen. Um diesen zuvorzukommen, beeilte sich der damalige Faktor auf der kurfürstlichen Saigerhütte, Augustus Rodth, bei seinem Herrn der kurfürstlichen Saigerhütte das Privileg zur Anlegung einer solchen Hütte auf sächsischem Gebiete zu erwirken und erhielt auch dasselbe unter dem 26. Juni 1926. Sofort schritt Rodth an die Arbeit. Unweit der Saigerhütte, in einem bis dahin ganz unbewohnten, vom Volke das „Schwarzgräbchen“ genannte Tale, legte er alsbald auf eigene Kosten eine Drahthütte an mit den dazugehörigen Wohnungen für die Arbeiter. Das ist der erste Anfang desjenigen Ortes, welcher nach seinem Begründer R o t h e n t h a l genannt wurde. Der Faktor Rodth musste sich laut des obenerwähnten Privilegs verpflichten, jährlich 40 Gulden Erbpacht an das Amt Lauterstein zu zahlen. Er durfte auch seine Fabrikate nicht nach Dresden, Pirna oder Freiberg zu Markte bringen, um nicht die in Lohmen befindliche Drahthütte des Kurfürsten Johann Georg zu schädigen. Dafür versprach der Kurfürst, keine weitere Drahthütte in seinem Lande zu konzessionieren und gab den Besitzern von Rothenthal gleichzeitig die niedere Gerichtsbarkeit über den neuerstandenen Ort.

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Rodths Unternehmen glückte und ist auch in den nachfolgenden Kriegsunruhen wenigstens auf die Dauer nicht gehemmt worden.

Zu der Drahthütte kamen bald noch zwei Blechhämmer, in welchen sowohl Weiß- als auch Schwarzbleche gefertigt wurden. Da aber diese Bleche weniger Absatz brachten, wurde 1649 ein Blechhammer in einen Stabhammer umgewandelt. Nach einem Verzeichnis aus dem Jahre 1650, also unmittelbar nach dem 30-jährigem Kriege, arbeiteten in den Rothenthaler Werken im ganzen 66 Arbeiter, welche zum guten Teile aus Nürnberg und Franken hergezogen waren. Unter ihnen befanden sich 12 Drahtzieher, 4 Scheibenzieher, 12 Mann in den beiden Blechhämmern, 5 Mann im Ziehnhause (Zinnhause), 3 Mann im Frischhammer, 5 Hohenofenarbeiter, 7 Köhler, 10 Bergleute auf der Schönberger Herrschaft und auf der Goldkrone. Mehr Arbeiter dürften selbst in der kurfürstlichen Saigerhütte damals nicht tätig gewesen sein. Dem oben gedachten Verzeichnis zu Folge hatte Rothenthal auch schon im Jahre 1650 einen besonderen Schullehrer, jedoch keinen studierten, sondern wie die meisten derartigen Orte, einen aus dem Handwerksstande.

Nach Rodths Tode übernahm sein Schwiegersohn „Lingke“ die Rothenthaler Werke, in dessen Familie sie auch eine längere Reihe von Jahren geblieben sind. In der Mitte des folgenden Jahrhunderts jedoch stehen dieselben ganz still, bis sie nach und nach in Nagelschmieden, Schneide- oder Papiermühlen umgewandelt werden.

Als die Eisenindustrie in Rothenthal in der Blüte stand, hatten die Besitzer dieser Werke zwei eherene Bergleute in Lebensgröße vor die Türe des Herrenhauses hingestellt. Dort standen dieselben Schildwache wohl über 100 Jahre lang. Als aber seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Eisenindustrie immer mehr und mehr durch die Holzindustrie aus Rothenthal verdrängt wurde, vermochten auch diese alten Zeugen aus der früheren Eisenzeit ihre Stellung zu behaupten. Sie traten ab und gingen, man weiß nicht wohin, wahrscheinlich in den Schmelzofen.

Noch vor der eigentlichen Kriegszeit, im Jahre 1625, hielt auch ein schlimmer Gast bei uns seinen Einzug, nämlich die Pest. Der Schankwirt Wenzel hatte sie leichtfertiger Weise in infizierten Kleidungsstücken, die er von einem Pesttoten in Dittersbach ererbt hatte, von dort mit hierher geschleppt, so dass in kurzer Zeit Vorwort_9 nicht nur er und seine Familie, sondern im ganzen 171 Olbernhauer an dieser furchtbaren Seuche starben. Der jährliche Durchschnitt der Todesfälle betrug damals ungefähr 30.

Nun ein kurzer Beitrag der Darstellung zur Entstehung und Namensgebung des Ortes Rothenthal.

Der Chronist „Rennau“ ist der Auffassung, dass der Name Rothenthal viel älter sein muss, denn im Jahre 1565, also ca. 60 Jahre vor der Gründung der Drahthütte durch Augustus Rodth, eignete der Kurfürst Vater August, einem vormaligen Faktor der Saigerhütte in Grünthal, und zwar dem Hans Heinze, erblich einen Hain zu – oberhalb von Olbernhau – die Rothenthaler Wiese, durch die die dürre Natzschkau, ein Abgraben der Natzschkaw geht, auf der bisher Holz gestanden. Zur Anlegung eines Gutes, das dann „Grünewald“ genannt wurde und aus dessen Zerschlagung später der Ortsteil Pföbe hervorgegangen ist. Die alten Gebäude der Pföbe haben vermutlich zum damaligen Gut des Faktors Heinze gehört. Das damals errichtete Gut – Grünwald benannt – ist das heutige sogenannte „Matthes-Gut“, denn natürlich nur noch zum Teil, denn  wie vorher erwähnt, haben die alten Pföbner Gebäude ebenfalls zum Gut gehört. Die zum Gut gehörigen Fluren erstrecken sich von der Pföbe bis über das heutige sogenannte Ullmann-Gut hinaus. Spätere Besitzer, vielleicht Erben dieses von Heinze erbauten Gutes, teilten dieses unter den Erben auf, ein Erbe behielt das Matthes-Gut, ein anderer Erbe baute sich das Ullmann-Gut (heutiger Eigentümer des Hauses Arwed Schalling). Der Weg von Olbernhau über Dörfel-Heidenweg, vermutlich oberhalb des Olbernhauer Bahnhofs, der Weg nach Rübenau zweigte schon damals, so wie heute noch, von diesem Weg ab. Von Grünthal führte ein Weg ebenfalls nach der Pföbe und Rothenthal und zwar längs der Schanzenmauer, also gegenüber dem Schanzenhaus. Die neue Straße wurde im Jahre 1899 erbaut, so wie sie heute nach Rothenthal gelegen ist.

Darüber wird noch zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden.

Von Olbernhau nach der Saigerhütte führte ein Weg über das Poppsche-Gut. Die Grünthaler Straße wurde ja viel, viel später erbaut, links und rechts der Flöha waren landwirtschaftliche Fluren und nur Holzbrücken führten über die Flöha zur Einbringung der Ernte.

Der Chronist Rennau macht sich nun Gedanken darüber, welche Veranlassung vorgelegen haben muss, das jetzige Natzschungtal, vielleicht auch nur dessen Vorwort_10

unteren sich ausweitenden Teil, schon im Jahre 1565 Rothenthal zu heißen. Nach seiner Meinung könnte diese wohl nur auf die natürliche Beschaffenheit der Gegend zurückzuführen sein. Vielleicht waren seine Hänge schon damals vorwiegend mit Buchen bewachsen, mit dem im Herbst goldrot prangenden Blätterwald, oder das am Boden liegende rote Laub dem Tale den Namen Rothenthal, oder hat das eisenhaltige Wasser, das der eisenschüssige Boden zu Tale führte, auch mit dazu beigetragen. Die ältesten Einwohner werden sich noch recht gut auf die Schenkwiese besinnen können, dem späteren Turnplatz des Arbeiter-Turnvereins, heute mit den Produktionsanlagen der PGH Holz- und Drechslerwaren bebaut. Diese Wiese stand unter Eisen- und Schwefelhaltigem rotem Wasser.

Der frühere Besitzer des Schwefelbades in Grünthal, Max Gülke, hat gegenüber dem Gemeindevertreter und langzeitigen Stellvertreters des Bürgermeisters, Otto Schönherr, zum Ausdruck gebracht, dass die eigentlichen Quellen für seine Schwefelbadanlage dort auf dieser Wiese zu suchen seien. Rennau stellt fest, dass der Name Rothenthal eher dagewesen sei, als der Faktor Rodth, obwohl ihm nicht abgesprochen werden kann, dass er der Mann gewesen ist, der die ersten Gebäude in Rothenthal errichten ließ. Das Herrenhaus, das heutige Konsum-Gebäude, ist wahrscheinlich von den späteren Besitzern des Hammerwerkes, den Erben Rodths, erbaut worden.

Über die nachfolgende und spätere Zeit, über die leider chronistische Aufzeichnungen nicht mehr vorliegen, soll erwähnt sein, dass Rothenthal seit dem 25.04.1839 eine politische, selbstständige Gemeinde geworden ist, vorher aber – genau wie die Pföbe – zu Olbernhau zählte. Der erste Gemeindevorstand hieß Johann Gottlieb Börner und der Gemeindeälteste Christian Friedrich Hiekel, gewählt von einem Gemeinderat, der sich zusammensetzte aus vier ansässigen Mitgliedern, also Besitzenden, und zwei unansässigen Mitgliedern, also Besitzlosen, insgesamt 6 Ratsmitgliedern, von beiden Klassen der Einwohnerschaft gewählt.

Im Jahre 1779 wurde in unserer Gemeinde das erste eigene Schulgebäude errichtet, vermutlich das 1934 abgerissene „Schmidthaus“, welches auf dem Vorgelände des heutigen Feuerwehr-Gerätehaus gestanden hat. Im Jahre 1841 baute man eine neue Schule, es ist das Haus, welches heute von der Familie des inzwischen verstorbenen Joachim Horn bewohnt ist. Die heutige Schule wurde 1880/81 erbaut.

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Ein eigener Friedhof wurde im Jahre 1851 angelegt, bis dahin wurden unsere Verstorbenen mit der Bahre bei Wind und Wetter über die Pföbe nach Olbernhau getragen und dort beerdigt.

Seit dem Jahre 1893 bestand in unserem Ort bereits ein sozialdemokratischer Wahlverein, gegründet vom Dreher Hartmann Schönherr, demselben, dem der in Rothenthal so beliebte Emil Rosenow, damaliger sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter des 20. Wahlkreises, in seinem „Kater Lampe“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

Bis zum Jahre 1933 besaßen die Vertreter der Arbeiterschaft stets die Zweidrittelmehrheit, und zwar seit 1924 im Gemeindeparlament. In dieser Zeit wurden zum Wohle und Nutzen der Werktätigen große Erfolge erzielt. Erinnert sei die Versorgung der Gemeinde mit Licht- und Kraftstrom im Jahre 1924/25, an den Bau des Gemeindeamtes mit 12 Wohnungen im Jahre 1927 und der Bau der zentralen Wasserversorgungsanlage 1929/30 unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Max Ebert.

 

Nun zu einigen wesentlichen Fakten der industriellen Entwicklung und des Handwerks in der Gemeinde

Da, wo die alte ehemalige Drahthütte sich befand und wo das geschäftliche Leben Rothenthals pulsierte, stand verwandelt und umgebaut, die weit und breit bekannte Papierfabrik der Firma J.G.Winkler. Auf diesem Grundstück wurde, nachdem der zum Rothenthaler Eisenwerk gehörige Hochofen seine Tätigkeit einzustellen gezwungen war, im Jahre 1787 von dem Geleitkommissarius Johann Gottfried Bielitz eine Mahlmühle errichtet. Diese hatte den Mahlzwang und das Privileg des allgemeinen Brotverkaufs für die Rothenthaler Bevölkerung.

Neben der Eisenindustrie – auch zahlreiche Nagelschmieden waren vorhanden – ist aber schon frühzeitig Kohlenbrennerei betrieben worden. Zur Blüte gelangte diese, nachdem „Vater August“ im Jahre 1559 die Herrschaft Lauterstein mit ihren ausgedehnten Wäldern erworben und die Flößerei eingerichtet hatte. Auf der Natzschung, Flöha und Pockau und auf einigen in diese einmündenden künstlichen Floßgräben wurden die Scheithölzer bis nach Blumenau und Görsdorf geflößt, um auf den dortigen geräumigen Kohlenplätzen verkohlt zu werden. Beide Kohlenplätze mussten jährlich 8000 Fuder solcher Holzkohle in die Schmelzhütten bei Freiberg liefern. Ein großer Teil der Scheithölzer Vorwort 12 wurde auf der Flöha, der Zschopau und der Mulde noch weiter ins Niederland geführt und als Brennmaterial verkauft. Später flößte man bis Mittweida und sogar bis nach Grimma. Die Aufsicht über die Flößerei führte ein in Olbernhau sesshafter kurfürstlicher Floßmeister, dem Unterbeamte in den verschieden Orten, darunter auch in Rothenthal, unterstellt waren. In der Nähe Rothenthals erinnerte noch der „Roßfloß“ beim böhmischen Forsthaus an diese Zeit. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde die Kohle auf den genannten Plätzen gebrannt. Die Flößerei aber hörte erst auf, als die im Jahre 1875 eröffnete Eisenbahn den Transport der Hölzer übernahm.

Eine weitere Industrie, die ebenfalls eine ziemlich lange Lebensdauer hatte, war die von den 50er Jahren des 18. bis in die 80. Jahre des 19. Jahrhunderts betriebene Strumpfstuhlbauerei, welche mit der Anfertigung der dazugehörigen Eisenteile auch zahlreichen Schmieden Beschäftigung gab. Diese Industrie wurde jedoch durch neue Erfindungen, namentlich die Strickmaschinen, nach und nach ganz verdrängt.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in Rothenthal eine neue, die Holzwaren-Industrie und gelangte, besonders seit der Eröffnung der bereits genannten Eisenbahn im Jahre 1875, zu hoher Blüte, Sind doch in dem engen Tale nicht weniger als 6 zum großen Teile ganz bedeutende Holzwarenfabriken mit Wasser- und Dampfkraft entstanden, in denen hunderte von Arbeitern beschäftigt waren und die außerdem noch große Heimarbeiten ausgaben. Überall tönte das Geschwirr der Zirkelsägen, Drehbänke und Hobelmaschinen entgegen, welche von Wasser, Dampf oder Elektrizität getrieben, das in hiesigen Wäldern oder auch in fernen Ländern gewachsene Holz verarbeiten. Hergestellt wurden vorzugsweise Feder-, Näh-, Domino-, Farben-, Zeichen- und Briefmarkenkästen, Schatullen, und ausländische Musterkästen in allen Holzarten und endlich auch die bekannten Holzgeschosse für Platzpatronen; letztere jedoch in der Hauptsache fürs Ausland.

Einen bedeutenden Industriezweig bildet ferner die Holzdrechslerei, die von einer großen Anzahl selbstständiger Gewerbetreibender zum Teil in 4 Drehwerken und zum Teil im Hause mit Motorkraft ausgeübt wurde und noch wird. Allerlei Gebrauchsgegenstände, Spielzeug, Kegelspiele, Schachfiguren, Damestein usw. wurden und werden zum Teil hergestellt. Vorherrschend war auch die Linealfertigung, welche ihre bekannten, mustergültigen Erzeugnisse aus allen Holzarten bis in die fernsten Länder hinaus sandte. Leider ist die Fabrikation von Puppenstubenmöbel, welche zeitweise ebenfalls in hoher Blüte stand, in den letzten Jahren ganz verdrängt worden.

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Der Weltkrieg von 1914 – 1918 hat auch in Rothenthal seine Opfer gefordert. Seine männliche Bevölkerung stand fast ausnahmslos unter Waffen und kämpfte auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen. Von denen, die mit so frohem Mute hinauszogen, kehrten leider 40 (einschließlich Pföbe 55) nicht wieder in die Heimat zurück. Dank der Opferwilligkeit der gesamten Bevölkerung konnte diesen Helden im Jahre 1924 ein würdiges Denkmal errichtet werden, das als ernstes Mahnzeichen von der Höhe des schön gelegenen Friedhofs auf den Ort niederschaut.

Die Einwohnerschaft selbst ist ein fleißiges, betriebsames und musikliebendes Völkchen. Die abgeschiedene Lage des Ortes bedingt eine besondere Eigenart und hat dazu beigetragen, dass sich das Vereinsleben stark entwickelte. Alle üblichen Zusammenschlüsse waren vorhanden, und so besteht eine Geselligkeit, wie nicht gleich anderswo. Der Besuch wiederkehrender Sommerfrischler, Wanderer und dergleichen dürfte der Beweis dafür sein, und die herrliche Landschaftslage nicht minder Grund für das ständige Anwachsen des Fremdenverkehrs. Mit echter erzgebirgischer Treue hängt auch der Rothenthaler an seinem Natzschungtale und ist jederzeit bereit, tatkräftig mitzuhelfen, wenn es der Förderung seiner Heimat gilt.

 

Entstehung und Entwicklung der Holzwarenfabrik Louis Winkler

Die Holzwarenfabrik Louis Winkler, Rothenthal, wurde im Jahre 1862 errichtet. Das Grundstück wurde vom königlichen Forstfiskus erworben und darauf eine Wasserkraftanlage von 50 Pferdestärken mit Fabrikgebäude erstellt, in dem zuerst die Fabrikation von Wolldecken betrieben wurde. Dieser Geschäftszweig konnte sich aber in der hiesigen Gegend nicht einführen, weshalb die Fabrik 1870 in ein Sägewerk umgewandelt wurde. Am 1. April 1891 erwarben der spätere Besitzer, Karl Louis Winkler, mit seinem Bruder Ernst Oskar Winkler das Grundstück und richtete darin die Fabrikation von Federkästen ein. Dieser Artikel wurde bis zu jener Zeit in Rothenthal nur durch die Hausindustrie hergestellt. Und von der Firma Winkler zuerst fabrikmäßig und in großem Maßstab betrieben.

In den nachfolgenden Jahren wurde die Fabrik mehrmals erweitert und im Jahre 1922 die vorhandene Wasserkraft durch eine 150-pferdige Dampfkraft neuester Konstruktion ergänzt. Neben Federkästen, die in den vielseitigsten Ausführungen Vorwort 14 als geleimte Schloßkasten, gefräste Schiebedeckelfederkasten und Falzkasten gefertigt werden, werden als Sonderheiten auch Sparkasten, Zeichenkasten, Nähschatullen von den einfachsten bis zu den besten Ausführungen, wie sie vom Weltmarkt verlangt werden, fabriziert. Der Absatz darin erfolgte von Anfang an nach sämtlichen Kulturstaaten des Erdballs und vergrößerte sich bis zum Jahre 1914 ständig. Der Beginn des Weltkrieges schränkte die Absatzmöglichkeit sehr stark ein und konnte später nicht wieder erreicht werden. Aus kleinsten Anfängen hervorgegangen mit etwa 3 Beschäftigten entwickelte sich der Betrieb in seiner Blütezeit zu einem bekannten Industriebetrieb mit 142 Beschäftigten ohne die bedeutende Zahl der Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen und trug so zum Wohle der Gemeinde mit am meisten bei.

 

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A u s g a n g s s i t u a t i o n  vor und nach dem 8.Mai 1945

 

Mit dem Sieg der Roten Armee über den Hitler-Faschismus und dem totalen Zusammenbruch des Naziregimes in Deutschland am 8.Mai 1945 wurde auch in der Gemeinde Rothenthal eine neue Etappe der Entwicklung eingeleitet.

Bereits seit Oktober 1944 mussten zahlreiche Flüchtlinge aus dem damaligen Ostpreußen und Schlesien untergebracht werden. Auch die Schule wurde mit Flüchtlingen belegt.

Am 8.Mal gegen 10 Uhr erfolgte der Durchzug einer sowjetischen Panzerabteilung von Olbernhau kommend nach Rübenau. Durch drei Wegesperren von Rothenthal nach Rübenau - umgelegte Bäume - sollten die sowjetischen Truppen aufgehalten werden. Rothenthaler Einwohner mussten diese Sperren beseitigen. Bis etwa Mitte Juni durchzogen Truppenteile der Roten Armee den Ort in Richtung CSR.

Wenn auch der Ort von Kriegseinwirkungen durch Bomben und Granaten verschont blieb, so waren doch Not und Elend groß. Vor allem mussten viele Väter und Söhne der damals im Ort lebenden Bürger ihr Leben für eine wahnsinnige Ideologie hingeben, insgesamt hat der 2.Weltkrieg ca. 80 Todesopfer gefordert (siehe Anhang!). Besonders hart traf es die Flüchtlinge, die ihr Hab und Gut zurücklassen mussten und denen es an den einfachsten Dingen fehlte. Hinzu kam noch, dass die Meisten Menschen an Hunger litten.

Bereits am 12.Mai 1945 erfolgte die erste Fühlungsnahme einiger Antifaschisten wie Max Uhlig, Bruno Schalling, Arthur Oemichen mit dem Antifaschisten "Reusch" in Olbernhau zwecks Bildung eines Ordnungskomitees zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung und Sicherstellung der Ernährung. Vom Ordnungskomitee wurden

folgende Ausschüsse gebildet:

1. Ordnungswesen

2. Kurierdienst

3. Ernährung

4. Schadenfeststellung

5. Rückführung von Plünderungsgut

Die Gesamtorganisation wurde dem früheren sozialdemokratischen Bürgermeister Max Ebert übertragen. Bruno Schalling, Mitglied des Ordnungskomitees, wird von der Kommandantur der Roten Armee als Beauftragter für den Ort Rothenthal eingesetzt (erhält Ausweis). Er erhält die Berechtigung, eine bewaffnete Miliz aufzustellen (etwa 30 Männer). Die Angehörigen der Miliz tragen rote Armbinden (von der Kommandantur der Roten Armee Olbernhau abgestempelt – auch Ausweise). Ein Teil der Miliz ist mit Gewehren ausgerüstet. Der Sitz der Wache befindet sich im Sitzungszimmer des Gemeindeamtes. Eigene Lebensmittelkarten der Gemeinde werden ausgegeben. Die Rationen werden von Woche zu Woche festgesetzt und zur Belieferung aufgerufen.

Am 17.6.1945 erfolgt die Bildung eines Antifa-Ausschusses mit folgenden Antifaschisten:

Max Uhlig, Bruno Schalling und Arthur Oemichen, der zu einem erweiterten Aktionsausschuss mit den Antifaschisten Paul Enzmann, Willi Freier u. Otto Schreiter wird.

Der von den Nazis 1933 abgesetzte sozialdemokratische Bürgermeister Max Ebert wird zum Kommissarischen Bürgermeister berufen.

 

Der Antifa-Ortsausschuss bestätigt am 11.8.1945 die Aufstellung einer Baracke auf dem Flurstück 81 b (Zoschels Erben).

Verwendungszweck der Baracke: Versammlungsraum und Turnhalle

Vorwort 16

Der Ort Rothenthal besaß zu dieser Zeit keinen Versammlungsraum und keine Turnhalle. Der Saal im ehemaligen Gasthof – wo heute die Kaufhalle steht - war zum Teil zusammengebrochen und seit vielen Jahren gesperrt. Die damalige Wirtin, Frau Martha Müller, konnte sich zum Wiederaufbau nicht entschließen.

Die aus eigenen Mitteln der Mitglieder der Freien Turnerschaft erbaute Turnhalle in Form einer Baracke wurde von den Nazis nach 1933 abgerissen. In dieser Baracke wurden 1933 mehrere SPD-Genossen schändlicher Weise von einer Nazi-Kolonne aus Olbernhau verprügelt (der Kolonnenführer war der berüchtigte SA-Mann Robert Matthes).

 

Wiederaufnahme der politischen Tätigkeit von KPD u. SPD

Der Gründungstag der SPD war am 8.8.1945. Zum Vorsitzenden wurde der Genosse Otto Schreiter gewählt. Die Mitgliederzahl betrug zu diesem Zeitpunkt ca. 110.

Zum Vorsitzenden der KPD wurde Genosse Bruno Schalling gewählt. Die Mitgliederzahl betrug ca. 11.

 

Verordnung über die Bodenreform vom 10.9.1945

Bildung einer Kommission zur Enteignung des Großgrundbesitzes am 22.9.1945 und Zuteilung von Wald und Boden - Mitglieder der Kommission waren: Gerhard Reichel und Paul Müller (Kleinbauern) Karl Freier, Richard Helbig und Paul Körner.

Die Kommission stellte am 28.9.1945 einen Antrag auf Zuteilung von Wald- und Wiesengelände aus den angrenzenden Beständen des Staatsforstreviers Olbernhau mit der Begründung, dass die Gemeinde Rothenthal eine landarme Gemeinde ist.

Infolge dieses Antrags werden der Gemeinde 34,52 ha Wald von der Kreisbodenkommission zugeteilt.

davon wurden zur Verfügung gestellt bzw. zugeteilt:

5,14 ha für Kleinstparzellen an 66 Bewerber

4,00 ha an 2 Kleinbauern

25,38 ha für Gemeindewald

 

Gründung von Parteien u. Massenorganisationen

Nach Aufruf der Landesregierung Sachsen wird im Mai 1945 ein Ortsauschuss der Volkssolidarität gebildet. Das Ziel ist es, Sammelaktionen und Spenden zur Linderung der Not u. Armut durchzuführen bzw. entgegenzunehmen. Die offizielle Gründung des Ortsausschusses erfolgt am 25.11.1945 unter dem Vorsitz des Genossen Willi Freier.

In der Zeit vom 6.- 8.12.1945 findet eine große Sammelaktion von Haushaltsgegenständen und Spinnstoffen (Kleidungsstücken) aller Art statt, um große Not zu lindern. Erstmals nach dem Krieg findet eine gut organisierte Weihnachtsfeier mit sehr guter Beteiligung unter dem Vorsitz von Rudolf Stephani statt.

 

Bürgermeister Max Ebert und die Vorsitzenden von KPD und SPD haben zur Bildung einer Sportgemeinschaft aufgerufen. Mit der Bildung und dem Aufbau der SG wurden die Genossen Max Uhlig, Richard Glöß, Paul Enzmann und Otto Pollmer beauftragt. Die Gründung erfolgte dann am 1.5.1947 unter der Leitung von Joh. Rietschel. Am Gründungstag zählte die SG 38 Mitglieder. Als Sportplatz wurde der ehemalige Platz der Freien Turnerschaft festgelegt, der in vielen Einsätzen der Jugend, der Sportler und der Einwohnerschaft mit Erdmassen aufgefüllt und geebnet wurde.

Ein Spielmannszug wurde im April 1959 mit 22 Sportfreunden der SG gebildet.

Vorwort 17

Dem Aufruf des Rates der Stadt Dresden vom 31.7.1945 zur Bildung von Jugendausschüssen und dem Beispiel der Stadt Olbernhau folgend, wurde auf Anregung des Bürgermeisters Max Ebert auch in Rothenthal am 20.9.1945 eine Ortsgruppe der Deutschen Volksjugend gebildet. Schon kurze Zeit später wurde aus diesem Ausschuss die FDJ gegründet. Mit der Leitung der Ortsgruppe wurde der Jugendfreund Erich Schönherr - damals wohnhaft im Waldfrieden, betraut. Die FDJ-Gruppe zählte am 1.6.1946 insgesamt 43 Jugendliche, und zwar 29 männliche und 14 weibliche.

In dem im weiteren Aufbau befindlichen Volksheim steht bereits ein Raum (Jugendzimmer) zur Verfügung. In der Jugendversammlung am 25.9.1947 wurde eine Umbildung der Jugendleitung vorgenommen. Als Jugendleiter wird Werner Prockl gewählt, als dessen Stellvertreter Rudi Morgenstern, als Schriftführer Gisela Götz und als Kassenleiter Edith Gläser. Die FDJ-Gruppe zählt zu dieser Zeit 74 Mitglieder. Auf der 3.Kreisdelegierten-Konferenz in Pockau wurde der FDJ-Gruppe Rothenthal vom Kreisvorstand eine FDJ-Fahne überreicht.

 

Am 9.12.1945 erfolgt die Weihe der Turn- u. Versammlungsbaracke "Volksheim". Die Verwaltung dieser Baracke übernimmt der Aktionsausschuss der politischen Parteien KPD u. SPD.

Die Erstellungskosten der Baracke wurden mit 17 958,78 M erfasst. Dieser Betrag wurde durch Spenden der Einwohner und durch ausgegebene Anteilscheine aufgebracht.

 

Vereinigung der beiden Arbeiterparteien am 21.4.1946.

Der Aktionsausschuss der beiden Arbeiterparteien KPD und SPD bereitete die Vereinigung gründlich vor.

 

Auf Anordnung der Landesverwaltung des Landes Sachsen sind zur demokratischen Verwaltung der Städte und Gemeinden Ausschüsse zu bilden, die durch den komm. Bürgermeister zu berufen sind.

Nachfolgende Einwohner wurden dazu berufen:

Ewald Emmrich, Otto Schreiter, Bruno Schalling, Richard Ulbricht, Max Uhlig und Willi Freier. Die erste Beratung des Gemeindeausschusses fand am 29.4.1946 im Sitzungszimmer des Gemeindeamtes statt, gleichzeitig wurden Sonderausschüsse gebildet.

 

Am 30.6.1946 wurde ein Volksentscheid über die Enteignung der Kriegs- und Naziverbrecher im Gasthof Rothenthal in der Zeit von 8- 17 Uhr durchgeführt (Wahlalter: 20 Jahre).

 

Wahlergebnis:

Wahlberechtigte: 628 Personen

Ja - Stimmen : 91,77 %

Nein - Stimmen: 3,29 %

ungültige Stimmen: 4,94 %

14 Personen wurde das Wahlrecht entzogen

(ehemalige aktive Mitglieder der NSDAP)

 

Am 4.7.1946 erfolgt die Bildung eines Frauenausschusses bzw. die Gründung einer Ortsgruppe des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands. Zur Vorbereitung wird ein Programm-Entwurf vom Kreisausschuss zur Beratung zugestellt sowie ein Aufruf an alle Frauen, dem DFD beizutreten. In der am 4.7.1946 vom Bürgermeister einberufenen Frauenversammlung wurde ein Frauenausschuss gebildet und damit der DFD in der Gemeinde gegründet.,

In dieser Versammlung sprach Frau Ida Staffen als Vorsitzende des Kreisausschusses. Als Vorsitzende der DFD-Gruppe Rothenthal wurde Frau Leni Drechsler gewählt.

Vorwort 18

Wahl der ersten Gemeindevertretung in Rothenthal

Nur ein Wahlvorschlag von der SED wurde eingereicht.

Wahlergebnis:

Wahlberechtigte: 628 Bürger

abgegebene Stimmen: 593 = 94,42%

Stimmen für SED: 517 = 87,35%

ungültige Stimmen: 76 = 12,1%

Die Zahl der gewählten Gemeindevertreter betrug 12.

Gewählt wurden: Otto Schönherr, Ewald Emmrich, Oswin Morgenstern, Otto Schreiter, Paul Enzmann, Lotte Schreiter, Kurt Schönherr, Willi Freier, Rudolf Stephani, Max Uhlig, Hildegard Ebert und Magnus Uhlig.

In einer öffentlichen Gemeindevertreter-Versammlung wird Ewald Emmrich zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung gewählt, Otto Schreiter zu dessen Stellvertreter.

Folgende Gemeindeausschüsse werden gebildet für:

Verfassung - Finanzen - Wohlfahrt - Industrie/Gewerbe -

Handel und Versorgung - Wohnungs- und Umsiedlerfragen - Bau -

Friedhof - Betriebe - Feuerlöschwesen – Schulwesen

 

In der 2. öffentlichen Sitzung wird der bisher amtierende Bürgermeister Max Ebert einstimmig gewählt und als Stellvertreter Otto Schönherr. Als weiteres Mitglied des Gemeinderates wird Willi Freier gewählt.

Am 19.6.1947 beschließt die Gemeindevertretung, die Turn- und Versammlungsbaracke "Volksheim" mit Aktiven und Passiven in Gemeindebesitz zu übernehmen. Gleichzeitig wird beschlossen, die Baracke zu einem Volksheim mit Gaststätte auszubauen mit einem Kostenaufwand von 42000 M durch die Baufirma Otto Fischer Oberneuschönberg. Mit den Ausschachtungsarbeiten für den Umbau der Baracke zu einem Volksheim mit Gaststätte als Mittelpunkt des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens wurde am 25.6.1947 mit einem freiwilligen Arbeitseinsatz der FDJ begonnen. Die gesamte Bevölkerung wurde vom Gemeinderat zur werktätigen und finanziellen Hilfeleistung aufgerufen. Aus Restmitteln des Präsidentenfonds wurden der Gemeinde 21500 M zur Baufinanzierung zur Verfügung gestellt. Bei der Beschaffung von Baumaterial treten große Schwierigkeiten auf, besonders bei Ziegel, Zement und Kalk. Mauersteine werden im Rothenthaler Steinbruch gewonnen, und Bauholz steht aus dem Bodenreform-Wald zur Verfügung. Ziegelsteine wurden als Abbruchziegel der Stadt "Chemnitz" nach hier angefahren. Kalk wurde aus dem Kalkwerk Lengefeld und Karbidschlamm als Ersatz für Kalk aus Espenhain.

Aus dem Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters für das Jahr 1947 sind folgende Schwerpunkte zu erwähnen:

1. Die gründliche Instandsetzung des Schulhauses - neue Dielung auf alte aufgesetzt in Zimmer 1 und 2 im Erdgeschoß und Wandverkleidung in Zimmer 2 und im Schulhaus angebracht

Erstellung eines Festraumes in Zimmer 2 (Kirche)

Reparatur der Schuluhr im Turm _

2. Instandsetzung des Friedhofes

3. Wiederherstellung der Straßenbeleuchtung (die Pföbe gehörte

bis 1954 noch zu Olbernhau)

4. Anlegen eines Schuttabladeplatzes im Bodenreformgelände, Flurstück Nr. 216

5. Stand des Volksheimbaues

6. Waldaufteilung aus der Bodenreform

Einwohnerzahl am 31.12.1947: 1002 Personen,

davon 424 männliche und 578 weibliche Personen

Vorwort19

Durchführung des Volksbegehrens vom 23.5.- 13.6.1948

Durchführung des Volksbegehrens durch das Ortskomitee für Einheit und gerechten Frieden

Einzeichnungsberechtigte: 806 Bürger

Bereits am 25.5.1948 konnte das Volksbegehren mit einer 100 %-igen Einzeichnung abgeschlossen werden.

 

Durchführung der Währungsreform vom 21.- 28.6.1948

In Rothenthal wurden drei Umtauschstellen mit Rothenthaler Einwohnern (Angestellte) eingerichtet. Umtausch 1 : 1 und 1 : 10.

Der im Jahre 1947 begonnene Erweiterungs- bzw. Umbau der Baracke zu einem Saal mit eingebauter Gaststätte (südl. Teil) konnte trotz großer Schwierigkeiten in der Baumaterialbeschaffung vollendet werden. Die Einweihung fand unter großer Beteiligung der Einwohnerschaft statt (ca. 500 Personen). Zahlreiche Gäste und Vertreter des Kreises, an der Spitze Landrat Müller, waren erschienen. Die Leistungen der Handwerker und zahlreicher Helfer wurden mit Dank und  Anerkennung durch den Stellvertreter des Bürgermeisters, 0tto Schönherr und den Vorsitzenden der SED Willi Freier gewürdigt. Das Programm bestand aus Konzert (kultureller Teil, Ansprachen und Tanz).               6.11.48

 

Der langjährige Vorsitzende der Gemeindevertretung Ewald Emmrich tritt am 3.12.1948 aus gesundheitlichen Gründen von seiner Funktion zurück. Genosse Emmrich wurde bereits 1918 als Abgeordneter der Gemeindevertretung gewählt, der er bis 1933 angehörte. Nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft stellte er sich 1945 wieder zur Verfügung. Er hat sich große Verdienste um das Wohl der Gemeinde u. der werktätigen Bevölkerung erworben.

 

Aus dem Rechenschaftsbericht am 31.12.1948 geht hervor, dass die Zahl der Einwohner 993 Bürger beträgt, davon 430 männliche und 563 weibliche.

 

Am 7.10.1949 wird eine provisorische Volksregierung der DDR gebildet - Abgabe einer Regierungserklärung durch den Ministerpräsidenten Otto Grotewohl

Aus diesem Anlass fand am 12.10.1949 - 16.30 Uhr - eine öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung mit dem Tagesordnungspunkt "Die Bedeutung der Bildung der provisorischen Volksregierung, der Regierungsbildung und der Regierungserklärung in Berlin" statt. Eine Resolution und Begrüßungsadresse wird durch Bürgermeister Max Ebert verlesen und mit Begeisterung einstimmig angenommen. Auch die zahlreichen Einwohner erhoben sich von den Plätzen und stimmten ebenfalls begeistert zu.

 

Vom Kreissekretariat der Gesellschaft der DSF werden am 11.12.1949 die Gemeinden aufgefordert, anlässlich des 70.Geburtstages des Führers des Sowjetvolkes Generalisimus J.W. Stalin Feierstunden durchzuführen. Unter Heranziehung der Parteien und Massenorganisationen wurde ein Organisationskomitee für die Vorbereitung der Feier am 21.12.1949 gebildet. Die Feier fand bei guter Beteiligung der Bevölkerung im Volksheimsaal statt (153 Personen).

Das Programm wurde zum großen Teil von den Jungen Pionieren gestaltet. Die Bildung des Ortskomitees wurde gleichzeitig als Gründung einer Ortsgruppe der DSF gewertet. Den Vorsitz der DSF-Gruppe übernimmt zunächst Wilfried Müller.

Vorwort 20

Am 3.5.1950 findet eine Unterschriftensammlung zur Ächtung der Atomwaffen statt.

 

Im August 1950 findet der Einbau einer Schulspeisungsküche im Volksheim statt (Teil des Waschhauses). Der Volksheimsaal (Empore) wird zum Speiseraum der Schule (ca. 140- 150 Schüler).

 

Bildung von Straßengruppen u. Einsetzung von Hausvertrauensleuten (Heranziehung der Bevölkerung zur Mitarbeit)

Eine Ortssatzung, die zur ehrenamtlichen Mitarbeit verpflichtet, wird in der Gemeindevertretersitzung am 10.5.1951 beschlossen.

 

In der Zeit vom 3.- 5.6.1951 wird eine Volksbefragung gegen die Remilitarisierung Deutschlands und für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland durchgeführt.

Abstimmungsergebnis:

Abstimmungsberechtigte: 720 Personen

abgegebene Stimmen: 718

Zahl der Ja-Stimmen 693 = 96,52 %

Zahl der Nein-Stimmen 25 = 3,48 %

 

Vergrößerung der Gaststube im Volksheim durch Mitverwendung der Wirtschaftsküche.

Der Einbau der neuen Wirtschaftsküche erfolgt nach dem Saal zu.

Der Saal wird in seiner Länge um ca. 4 Meter verkürzt.        13.9.1951

Die Papierfabrik (ehemals Fa. Winkler) wird volkseigen.

Das Ministerium des Innern teilt mit, dass der Rat der Gemeinde als Rechtsträger für die Grundstücke 6 und 9D im Grundbuch einzutragen ist. Der Grundbesitz ist somit Volkseigentum geworden.

 

Am 1.1.1952 wird im Volksheim das Jugendzimmer an die FDJ übergeben.

 

Der Bodenreformwald mit den Flurstücken 205, 208 und 215 mit 22,87 ha geht am 18.11.1952 laut Verordnung vom 14.2.1952 - Gesetzblatt 26 vom 23.2.1952 - an den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Marienberg zurück.

 

Der bisherige Aufklärungsraum der Nationalen Front im Volksheim wird Laut Sitzungsniederschrift vom 27.2.1953 zum Kulturraum im Volksheim erklärt.

Kreisschulrat Werner Lorenz spricht beim Bürgermeister Max Ebert vor und fordert, dass der bisher von der Kirche für Gottesdienste benutzte Schulraum sofort von der Kirche zu räumen ist. Anschließend nimmt er Rücksprache mit dem Kirchenvorstandsmitglied Horst Ulbricht und mit dem Eigentümer der Baracke Erich Helbig mit dem Ergebnis, dass die Kirche das Schulzimmer sofort räumt und einen leer stehenden Barackenraum bei Erich Helbig für die Abhaltung von Gottesdiensten verwendet, solange, bis die Kirche sich auf ihrem Grundstück eine Stätte geschaffen hat.           21.5.1953

 

Gemäß ministeriellem Beschluss vom 17.6.1953 sind in der Gemeinde Haus- und Hofgemeinschaften zu bilden. Um alle Haushalte zu erfassen, werden 27 Hausgemeinschaften gebildet (Niederschrift aus der öffentlichen Einwohnerversammlung vom 28.8.1953).

Vorwort 21

Am 28.8.1953 wurde der Ortsausschuss der Nationalen Front mit dem Vorsitzenden Fritz Hempel gebildet.

 

In Anbetracht der schon seit vielen Jahren bestehenden Verhältnisse und kommunalpolitischen Beziehungen zwischen dem Ortsteil Olbernhau Pföbe und Rothenthal - neuerdings verschiedene Wasseranschlüsse an das Rothenthaler Ortsnetz - hat der Rat der Gemeinde beschlossen, eine entsprechende Vorlage an

den Rat der Stadt Olbernhau zwecks Eingemeindung des Ortsteils Pföbe in den Gemeindebezirk Rothenthal zu erarbeiten und diesen der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung vorzulegen.

Die Beschlussvorlage findet bei der Gemeindevertretung einstimmige Annahme (27.1.1954 - Akte 18 – 07 - 03).

 

Am 24.2.1954 findet die Gründung des Stützpunktes des DRK statt Akte 30 - 30 - 3).

 

Volksbefragung vom 27.- 29.6.1954

1. Für einen Friedensvertrag u. Abzug der Besatzungstruppen

2. Für EVG Generalvertrag u. Belassung der Besatzungstruppen auf 50 Jahre

Abstimmungsergebnis:

Wahlbeteiligung: 99,56%

für Friedensvertrag: 92,56%

für EVG: 5,57

ungültige Stimmen: 1,87%                 Akte 18 - 06 – 1

 

Hochwasser der Natzschung,

mehrere Tage anhaltende Niederschläge brachten Hochwasser. Die FFW und die Katastrophenkommission mussten morgens 4.45 Uhr am 10.7.1954 alarmiert und eingesetzt werden. In einige Grundstücke des Niederdorfes ist Wasser eingedrungen. Der Bau einer massiven Ufermauer längs des Grundstückes 50 E Albert Bauer ist unbedingt erforderlich.

 

Quellfassung

Der Zulauf aus dem bisherigen Quellgebiet ist bei dem steigenden Wasserverbrauch nicht mehr ausreichend. In der Abt. 86 unterhalb des Stößerfelsenweges wird eine neue Quelle mit einem Wasserzulauf von ca. 10 cbm (m³) täglich erschlossen und im Oktober 1954 dem Ortsnetz angeschlossen. Die Erschließung der Quelle und der Ausbau erfolgten zum großen Teil in freiwilligem Arbeitseinsatz (260 Std.). Kostenaufwand ca. 1000 M, Einsparung ca. 350 - 400 M.(Akte 24 - 30 – 1             Aug. bis Okt. 1954

Natzschungsufer-Mauerbau längs des Grundstücks 50 E A. Bauer (heute Siegfried Prockl) durch den VEB-Bau Zwickau - ca. 50 lfd. Meter - Baukosten ca. 9000 M.                   (Akte 24 - 30 - 4)

                                    Okt. bis Nov. 1954

Neubau eines Kirchengemeindehauses "Stephanskapelle" in Rothenthal.

Der Bau dieser Kapelle wurde mit Genehmigung des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt vom 24.8.1954 errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 26.8.1954 und die Weihe am 6./7. Juli 1958, die durch Landesbischof D. Noth vollzogen wurde. Die staatlichen Stellen unterstützten die Kirchgemeinde durch Erteilung der Baugenehmigung, und der Kauf eines Förderturmes von der damaligen Sowjetisch-Deutschen AG Wismut ermöglichte es, das erforderliche Bauholz für das hohe Dach der Kirche zu beschaffen. Viele freiwillige Helfer haben sich an der Aushebung

der Baugrube beteiligt. (Akten 18 - 60 - l und 23 - 00 - 4 R)

 

Vorwort 22

Auf Vorschlag der Parteigruppe der SED ist der Genosse Rudolf Kunz als neuer Bürgermeister der Gemeinde Rothenthal vorgesehen. Die Neubesetzung des Amtes des Bürgermeisters machte sich auf Grund eines Kündigungsschreibens des langjährigen Bürgermeisters Max Ebert vom 15.1.1955 (aus gesundheitlichen Gründen? erforderlich. Gen. R. Kunz nimmt zurzeit an einem Lehrgang der Verwaltungsschule in Weimar teil. Seine Wahl zum Bürgermeister erfolgt durch die Gemeindevertretung am 6.4.1955 einstimmig mit Amtsantritt am 1.5.1955.

 

Der Bau eines Kindergartens wird vorbereitet. Voraussichtlich wird der Bau im Jahre 1956 im Kreisplan aufgenommen werden. Der Bau soll zum Teil im NAW erfolgen. Laut Beschluss des Rates des Kreises wird die Planauflage bestätigt. (Akte 25 - 6 - 56)

Der vom VEB Papierfabrik nicht mehr benötigte Trockenschuppen auf Flurstück 50/1 wird dem Kindergartenbau zum Abbruch und Verwendung des Bauholzes zur Verfügung gestellt. Das Flurstück 50/2 wird als Baustelle freigegeben und verwendet. (Akte 23 - 20 - 6)

 

Die Gemeindevertretung hat in ihrer Sitzung vom 4.11.l955 die Eingemeindung des Ortsteils Olbernhau-Pföbe in den Gemeindebereich Rothenthal nach Bestätigung durch den Kreistag vom 20.9.1956 beschlossen. Eine Eingemeindungsfeier fand am 30.12.1956 im Volksheim statt. Ab 1.1.1957 gehört der Ortsteil Pföbe mit 142 Einwohnern zur Gemeinde Rothenthal.

 

75-jähriges Schulfest vom 1.- 3.6.1956

Örtliche Kräfte wie Laienspielgruppe, Singgruppe, FDJ-Kapelle und eine Musikgruppe mit Albert Enzmann u. Maja Siegert gestalten unter Leitung des Festausschusses ein wirklich ausgezeichnetes Programm für die Einwohner des Ortes und ihrer Gäste. Der Erlös wird dem Festausschuss für die Kinder des Ortes zur Verfügung gestellt. (siehe Artikel!).

 

Volksheimpächter-Wechsel

Der bisherige Pächter des Volksheimes hat das Pachtverhältnis per 31.3.1956 gekündigt. Rudolf Stephani hat das Volksheim seit 6.11.1948 mit seiner Eröffnung geleitet.

Koll. Gerhard Ebert, der sich als Pächter beworben hat, über nimmt das Volksheim ab 10.4.1956 mit Zustimmung der Gemeindevertretung.

 

Bildung einer Handwerker Produktionsgenossenschaft am 16.7.1956 mit 8 Mitgliedern. Zum Vorsitzenden wurde Herbert Flath gewählt. Als Betriebsstätte wird die ehemalige Linealfabrik von Carl Reichel - Ortsl. Nr. 46 B festgelegt.

 

Abschaffung der Lebensmittelkarten am 29.5.1958 außer dem Produkt Kartoffeln. Freiwillige Helfer sorgten für eine reibungslose Umstellung in den Verkaufsstellen (Läden).

 

In freiwilligem Arbeitseinsatz wird der am unteren Rand des Volksheimplatzes verlaufende Auslaufgraben vom Betriebsgraben an der Brücke bei Glöß verrohrt und zugefüllt (50 m Rohre bis 9.6.1958 verlegt).

Der derzeitige Pächter des Volksheimes Carl Stiehl hat per 31.841958 gekündigt. Die Gemeindevertretung beschließt, im Zuge der sozialistischen Entwicklung einen Überlassungsvertrag mit der HO abzuschließen.

Vorwort 23

 

Die HO-Gaststättenleitung hat einen Anstellungsvertrag mit dem Ehepaar Johannes Weber aus Seelow abgeschlossen. Ab 20.9.1958 erfolgte die Bewirtschaftung des

Volksheimes durch dieses Ehepaar.

 

Wasserversorgung der Gemeinde

Der Rat der Gemeinde beschließt, eine weitere Quelle zur Versorgung der Einwohner mit Trink- u. Wirtschaftswasser zu erfassen bzw. ans Ortsnetz anzuschließen. Der Anschluss wird bis Ende Okt. 1959 fertiggestellt und bringt bei großen Trockenheit täglich 8,5 cbm ( m³ ) Zulauf.

In freiwilligem Arbeitseinsatz ist an der Bus-Haltestelle Waldfrieden bis 25.9.1958 ein Wartehäuschen errichtet worden.

 

Der Rat der Gemeinde beschließt, im niederen Zollhaus den Dachboden zu 2 Wohnungen auszubauen. Die Baufirma Bernd Olbernhau. übernimmt die Bauausführung.

Am 1.8.1959 waren beide Wohnungen bezugsfertig.

 

Ein befahrbarer Verbindungsweg von der Talstraße zur "Halben Metz" wurde geschaffen.

 

Am 7.10.1959 (Festwoche vom 3.- 11.10 zum 10.Jahrestag der DDR) fand die Einweihung des im Rahmen des NAW erbauten Kindergartens statt. Mit dem Bau wurde 1956 mit dem Abbruch des Trockenschuppens der Papierfabrik begonnen. Der Bau wurde mit einem Gesamtaufwand von 165000 M geschaffen, davon wurden 53000 M in Eigenleistungen erbracht, also 112000 M mit staatlichen Mitteln. Es können 35 Kinder Aufnahme finden. Frau Käthe Reichel hat die Hausmannsstelle übernommen und bewohnt die im Obergeschoß ausgebaute 4-Zimmerwohnung. Eröffnet wurde der Kindergarten am 9.10.1959 .Am Kindergarten selbst fand eine Feier statt.

 

Am 9.10.1959 wurde der Spielmannszug mit 24 Spielleuten gegründet und trat zum 10.Jahrestag der DDR erstmals auf.

 

Brand im VEB Papierfabrik Rothenthal

Am 21.10.1959 - 7.50 Uhr - wird der Rat der Gemeinde vom Werkleiter Koll. Stiehl telefonisch informiert, dass am Standort des Dynamos Feuer ausgebrochen ist. Es sei erforderlich, Alarm zu geben. Nach wenigen Minuten stand bereits ein Teil des Dachstuhls in Flammen. Die Ortswehr, die FFW Olbernhau und Marienberg wurden alarmiert und trafen bald an der Brandstelle ein. Trotz intensiver Brandbekämpfung wurde der Dachstuhl innerhalb kurzer Zeit ein Raub der Flammen und eingeäschert. Der Maschinenpark im Erdgeschoß ist so gut wie unbeschädigt geblieben. Der Feuerwehr ist es gelungen, das auf der anderen Straßenseite gelegene Gebäude durch intensive Feuerbekämpfung zu erhalten, obwohl das Dach an einigen Stellen bereits Feuer gefangen hatte. Die Brandursache konnte nicht einwandfrei festgestellt werden, vermutlich ist die Ursache im Heißlaufen der Dynamolager zu suchen.

 

Volkstrauertag in ganz Deutschland

Zu Ehren der im Karl-Marx-Schacht in Zwickau verunglückten 126 Bergleute läuten mittags 12 Uhr die Schul- und Kirchenglocken. Schlagende Wetter im Schacht forderten am Montag ca.8.20 Uhr diese unglücklichen Opfer.

 

Vorwort 24

Am 31.3.1960 findet erstmals die Jugendweihe im festlich geschmückten Saal des Volksheims mit 10 Weihlingen statt.

 

Die Gemeindevertretung beschließt, die Brandruine der ehemaligen Papierfabrik abzubrechen, weil das Mauerwerk aus bautechnischen Gründen zum Wiederaufbau nicht zu verwenden ist. In den vom Brand verschonten Gebäuden sollen 3 Wohnungen und ein Fachunterrichtsraum für Chemie und Physik der Schule und in der sog. Niederlage 2 Wohnungen im 1.Stock, ein Feuerwehrgerätehaus und ein Werkzeugraum für die Gemeinde eingebaut werden. Für den Wohnungsbau stehen 29 200 M aus Lottomitteln zur Verfügung.                  20.5.60

 

Der Rat der Gemeinde gibt Anregung zur Gründung eines Dorfclubs.   2.6.60

 

Der vom Rat beschlossene Einbau von 2 Dreizimmerwohnungen im Dachboden des Grundstücks 34 D (Zollhaus) konnte im Aug. 60 fertiggestellt werden (ab 1.9.60 bezugsfertig). Bauausführender war die Fa. Carl Bernd Olbernhau.

Am 10.9.1961 erfolgt die Weihe des Feuerwehrgerätehauses (ehemalige Niederlage des VEB Papierfabrik).

 

Aus Anlass des 15.Jahrestages der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien KPD und SPD zur SED fand eine gut besuchte Festveranstaltung im Volksheim statt. Die Festansprache hielt der Bürgermeister Gen. Rud. Kunz.            20.4.61

 

Eine weitere Quelle für die Wasserversorgung wurde in der Abt. 78 links des Meßschrotes in eigener Regie erschlossen und konnte am 20.9.61 dem Ortsnetz angeschlossen werden. Der Zulauf betrug bei großer Trockenheit am Tage des Anschlusses 3,250 cbm (m³).

 

Im Waschhaus des Wohngrundstücks Nr. 6 (ehem. Papierfabrik) konnte ein Waschstützpunkt mit 3 automatischen Waschmaschinen am 1.12.61 in Betrieb genommen werden.

 

Durchführung der 1.Dorffestspiele vom 14.- 22.7.1962

Der ehemalige Einwohner unseres Ortes Karlheinz Uhlig (Rüb.) drehte in den Festtagen einen Film mit Aufnahmen des Ortes und der Festveranstaltungen (Näheres unter Kulturarbeit).

In einer Ratssitzung des Rates des Kreises unter dem Vorsitz des Koll. Detzer und in Anwesenheit der Ratsmitglieder der Gemeinde und der Bürgermeister von Pfaffroda, Hallbach und Heidersdorf wurde der Film erstmals vorgeführt. In dieser Sitzung wurde die Gemeinde Rothenthal als beispielgebend auf kulturellem Gebiet anerkannt u. gewürdigt.

 

Weihe und Übergabe der im NAW geschaffenen Turnhalle anlässlich der Volkskammer- und Bezirkstagswahlen an die SG Rothenthal und Oberschule am 30.10.1963

Für gute Leistungen wurden ausgezeichnet:

Bgm. Rud. Kunz, Erich Zänker, Otto Schreiter, Schull. Werner Schönherr und Richard Glöß.

 

Leistungsvergleiche zwischen den Gemeinden Niederschmiedeberg und Rothenthal am 18.7.64 im Volksheim und am 6.9.64 in Niederschmiedeberg. Die Auswertung ergab eine gleiche Bewertung für beide Gemeinden.

Vorwort 25

In Eigenleistung wurde die Brücke vom Oberen Weg zur Talstraße (Grundstück Albert Reichel) im Sept./Okt.64 in Beton erneuert und verbreitert.

 

Auf Grund des Beschlusses des Präsidiums des Ministerrates vom 12.12.1963 übernimmt der VEB Wasserversorgung und Wasserbehandlung Karl-Marx-Stadt die Wasserversorgungsanlage der Gemeinde Rothenthal ab 1.10.1964.

 

10.Jahrestag der DDR

Mit einem Fackelzug mit dem Spielmannszug an der Spitze durch den festlich geschmückten und illuminierten Ort wurde am Abend des 6.10.1964 der 15.Jahrestag eingeleitet. In einer Festveranstaltung der Gemeindevertretung am 7.10.64 wurden die aktivsten Bürger der Gemeinde ausgezeichnet. Dank und Anerkennung für vorbildliche Mitarbeit im NAW wurden ausgesprochen den Kollegen Otto Schreiter mit über 1000 NAW-Stunden, ferner für gute Arbeit im Dorfclub dem Vorsitzenden Werner Prockl, dem Vorsitzenden der SG Richard Glöß und für gute Mitarbeit im Dorfclub Kurt Weidensdörfer.

Ein Höhenfeuer brachte die Veranstaltungen zum Abschluss.

 

Bei der am 31.12.1964 durchgeführten Volks- und Berufszählung wurde folg. Ergebnis ermittelt:

446 männl. Personen

554 weibl. Personen

1000 Personen insges.

 

Die Inhaber des Fabrikgebäudes der Fa. Louis Ulbricht verkaufen nach mehreren Aussprachen ihr Fabrikgrundstück an den VEB Sturmlaternenwerk Beierfeld. Nach längerem Um- und Ausbau wird die Produktion von Löt - u. Kochgeräten aufgenommen. Die Zweigstellen Heidersdorf und Rothenthal bilden eine Einheit.

31.12.1964

Wechsel in der Totenbettmeisterstelle

Der bisherige Totenbettmeister Arwed Schalling kündigt wegen Umzug nach Olbernhau Ende Dezember 1964. Diese Aufgabe übernimmt ab Januar 1965 Hans Kreller aus Rothenthal.

 

Anlässlich des 20. Jahrestages der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus fand am Sonnabend, dem 8.5.1965 eine Festveranstaltung gemeinsam mit der DSF statt, die gut besucht war.

 

Wechsel in der Volksheim-Verpachtung von der HO auf die KG

Renovierung des Volksheims und Mietvertrag vom 16.9.1965 und Nutzungsvertrag vom 18.8.1964.

Da die HO-Verwaltung keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen kann, aber die Konsumgenossenschaft ausreichend Mittel bereitstellen kann, wird im beiderseitigen Einvernehmen ein Wechsel in der Verpachtung und Nutzung vorgenommen. Die Renovierungsarbeiten erstrecken sich auf das Innere und Äußere des Volksheims. Unter anderem wird die Wirtschaftsküche um 1 m nach der Saalseite zu vergrößert, die Saalfenster werden durch neue größere Fenster ersetzt, der Saal wird mit einer Heißluftanlage versehen, die Abortanlagen werden umgebaut und vergrößert, die Saaldecke wird renoviert, der Volksheimeingang mit einem Vorhäuschen versehen, Außen- und Innenwände werden frisch gestrichen. Die Renovierungskosten betragen ca. 28 000 M.

Sie werden von der KG verauslagt und der Betrag in Jahresraten von der Gemeinde getilgt.                              1.7.1965

Vorwort 26

Im Rahmen einer Rechenschaftslegung am Ende der Wahlperiode 1961- 1965 durch den Bürgermeister Rud. Kunz am 29 7 1965 im Volksheim berichtet er über die Erfüllung des Volkswirtschafts- und Haushaltplanes. Unter anderem wurde durch den Um- und Ausbau des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses zu einer Turnhalle fast durchweg im NAW eine schöne Sporthalle im Werte von ca. 40 000 M geschaffen.

 

Bei der Einführung der 5 Tage-Arbeitswoche ist gleichzeitig an die Schaffung von Naherholungsstätten zu denken. Der Rat der Gemeinde hält die Errichtung einer solchen Stätte in der Nähe des Stößerfelsens für geeignet. Der Rat des Kreises wurde dazu ersucht, eine finanzielle Hilfe von 5000 M und der Rat der Stadt Olbernhau von 2000 M zu leisten. Es ist beabsichtigt, die Unterkunftshütte in Form einer Blockhütte zu errichten. Die Eröffnung bzw. Weihe der Naherholungsstätte fand am 18 6 1967 statt. Eine Blaskapelle aus Teplice (CSSR) und der Volkschor wirkten im Eröffnungsprogramm mit. Hunderte von Personen aus dem Ort und der Umgebung waren erschienen. Für Getränke, Bockwurst usw. war bestens gesorgt.

 

Mit einem reichhaltigen Programm wurden die 3.Dorffestspiele vom 6.- 14.8.1966 durchgeführt (siehe unter Kulturarbeit!).

 

Bauzustandserfassung aller in der Gemeinde befindlichen Wohngebäude im Jahre 1966. Die Erfassung wurde am 22 11 1966 mit folg. Ergebnis abgeschlossen:

129 Wohngebäude mit 15 334 m Wohnfläche u. Zwar

15 Gebäude der Bauzustandsstufe I

105 Gebäude der Bauzustandsstufe II

8 Gebäude der Bauzustandsstufe III

1 Gebäude der Bauzustandsstufe IV

Erbaut wurden:

15 Gebäude            vor 1870

31 Gebäude von 1870 bis 1899

19 Gebäude von 1900 bis 1918

4 Gebäude von 1919 bis 1932

10 Gebäude von 1933 bis 1945

10 Gebäude ab 1945

Das Reparaturvolumen beträgt 829000 M.

 

Errichtung neuer Transformatoren-Stationen durch den VEB Energieversorgung Karl-Marx-Stadt

Auf den Flurstücken Lo3 Albert Reichel Nr. 51 und lol b Kurt Eilenberger wurde von 1963 an mit dem Bau neuer und größerer Transformatoren-Stationen begonnen, die Ende 1966 in Betrieb genommen werden konnten. Die alten Stationen, die auf den Flurstücken 127a Gemeinde u. 76 Hilde Hofmann standen, wurden abgetragen, da diese für den Strombedarf der Gemeinde nicht mehr ausreichend waren.

Ende 1966

 

Durch wolkenbruchartige Regenfälle im Natzschungtal führte die Natzschung am 2.7.1967 Hochwasser. Die FFW u. die Katastrophenkommission mussten eingesetzt werden. Es entstanden Schaden an den Natzschungsufermauern innerhalb des Ortsbereiches, besonders im Niederdorf. Schäden an Gebäuden entstanden nicht. An diesem Tag fanden Wahlen zur Volkskammer und zu den Bezirkstagen statt.

Vorwort 27

Verkauf des Fabrikgrundstücks Herbert Schlesinger / Erben, Pächter Erich Schlesinger, an Rudolf Stephani Rübenau 138. Die Fa Erich Schlesinger hat Ende März 1967 ihre Fabrikation eingestellt. Rud. Stephani hat lt. Kaufvertrag vom 5.6.1967 das Fabrikgrundstück käuflich erworben. Er beabsichtigt nach Umbau des Gebäudes die Produktion von Polyestererzeugnissen aufzunehmen. Die Arbeitskräfte der Fa. Schlesinger werden von der Fa. Stephani weiter beschäftigt und umgeschult.

 

Pächterwechsel im Volksheim

Der derzeitige Pächter Gerhard Ebert hat das Pachtverhältnis am 31.7.1957 gekündigt. Frau Ilse Stiehl hat sich als Pächter beworben. Die Gemeindevertretung beschließt, ein Pachtverhältnis ab 1.8.1957 mit Karl Stiehl abzuschließen.

 

Schaffung einer Umkehrstelle im Steinbruchgelände

Der VEB Kraftverkehr - Sitz Olbernhau - fordert den Rat der Gemeinde auf, in Rothenthal eine Umkehrstelle für die Omnibusse (bes. Schülerbusverkehr) zu schaffen, weil das Umkehren am Volksheim den Straßenverkehr stark gefährdet und nicht mehr zulässig ist.

Der Rat des Kreises hatte zu dieser Angelegenheit Stellung genommen und in einer Ratssitzung vom 22.5.1967 eine Ratsvorlage die Schaffung der Umkehrstelle als dringend erforderlich erachtet und beschlossen, dem Rat der Gemeinde die erforderlichen Mittel von 5000 M zur Verfügung zu stellen. Als geeignetes Gelände wurde nach vorausgehender Besichtigung das Steinbruchgelände festgelegt. Der Rat der Gemeinde hat den Bau der Umkehrstelle in Eigenleistung durchgeführt. Bereits

am 15.9.1967 konnte diese Umkehrstelle in Betrieb genommen werden.

 

Aus Anlass des 50. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und des 18.Jahrestages der DDR werden in der Gemeinde in der Zeit vom 7.10. bis 11.11.1967 sechs verschiedene Veranstaltungen durchgeführt. Die kulturelle Ausgestaltung der Veranstaltungen erfolgt durch örtliche Kräfte.

 

Wegen zu geringer Inanspruchnahme des Waschstützpunktes und der sich damit ergebenden Unrentabilität in letzter Zeit hat die KG veranlasst, den Waschstützpunkt in Kürze aufzulösen. Die noch anfallende Wäsche soll ab 20.2.1968 von den Wäschereien in Olbernhau oder Marienberg gewaschen werden.

 

Volksentscheid über die neue sozialistische Verfassung der DDR vom 26.3.1968

Die Wahlbeteiligung betrug bei 675 abgegebenen Stimmen 99,5 %.

Drei Bürger blieben der Wahl fern, 30 Bürger stimmten mit „Nein“

Vom neuen Eigentümer des Gebäudes Ortsl. Nr. 2 (Oehme / M. Heim) wurde das alte Gebäude zum Zwecke des Neuaufbaus abgetragen.

18.5. 8

Mit dem Neubau wurde im Juli 1968 begonnen, und im Nov. l968 war das Gebäude im Rohbau erstellt.

Vorwort 28

Straßenstützmauerbau und Beschotterung des Oberen Weges

Bereits im Jahre 1967 beginnend wurde die Straßenstützmauer längs der Grundstücke Margot Haubold und Hilde Gröschl erneuert. Im Oktober 1968 wurde der Obere Weg beschottert und mit einer Teersplittdecke versehen.

 

Bildung eines Schulkombinates Olbernhau - Oberneuschönberg - Rothenthal

Von der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises Marienberg am 20.2.1968 die Bildung eines Oberschulkombinates mit Wirkung vom 1.9.1968 mit dem Namen Oberschulkombinat Olbernhau-Oberneuschönberg-Rothenthal verfügt. Aussprachen mit den Eltern der Schüler, dem Rat der Gemeinde und dem Elternbeirat wurden am 26.3.68 durchgeführt. Mit dem Kraftverkehr wurden Vereinbarungen getroffen, den Schülertransport von Rothenthal nach Oberneuschönberg und von Olbernhau - Löser - Grünthal nach Rothenthal abzusichern.

 

Nach umfangreichen Vorbereitungen durch den Rat der Gemeinde, der Gemeindevertretung, der Nationalen Front und der Einwohnerschaft wurde der 20. Jahrestag der DDR durch Veranstaltungen am 21.9.69 für die Rentner und Veteranen unter dem Motto "Alte Liebe rostet nicht" und am 4.10.69 durch eine kulturell umrahmte Festveranstaltung und am 7.10.69 durch Kinderfest, Festumzug und Fackel- und Lampionumzug festlich begangen. Zu erwähnen ist, dass im bisherigen Wettbewerb "Schöner unsere Städte und Gemeinden" 90 Gebäude - ca. 80 % der Wohnhäuser mit neuem Außenanstrich oder Außenputz versehen wurden. Der Pföbenweg wurde neu beschottert und mit einer Teersplittdecke versehen. 300 m Stützmauergeländer (Eisenrohre) wurden erneuert.

Vorwort 29

Der Stand der Wohnverhältnisse um und vor 1945 und die Entwicklung nach 1945 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Frühjahr 1988)

Die Wohnverhältnisse sind ein wesentliches Teilgebiet der Lebensbedingungen der Bürger.

Wir sprechen heute vom Komplex der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, wobei die Wohnraumfrage der Schwerpunkt des sozialpolitischen Programms bis 1990 darstellt.

Die Wohnverhältnisse in Rothenthal waren 1945 und in den Jahren bzw. Jahrzehnten vorher nicht nur schlecht, sondern beinahe katastrophal. In vielen kleinen Gebäuden, die man schlicht als "Häuschen" bezeichnen konnte, lebten oft 3 Familien mit Kindern. Die wirklich guten Wohnungen befanden sich in den Zollhäusern mit 4 Räumen (Küche einbezogen), einem Bad und WC und in den sog. "Volkshäusern" mit ca. 3 Räumen, aber ohne Bad und ohne WC.

Die Entwicklung der Wohnverhältnisse nach 1945 soll nunmehr besonders betrachtet werden. Ab 1946 setzte der Bau einiger neuer Wohnhäuser ein, der sich mit dem Bau von Einfamilienhäusern - besonders in den letzten Jahren - bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt fortsetzte. Im Anhang wird eine Übersicht in chronologischer Reihenfolge der neugebauten Häuser gegeben. Anschließend werden die Wohnungen aufgezeigt, die durch Um- bzw. Ausbau zusätzlich gewonnen wurden.

Im Anhang wird des weiteren eine Übersicht der Häuser u. Gebäude gegeben, die durch Renovierung, Um- bzw. Ausbau heute zu den ansprechenden Wohnhäusern gezählt werden können.

 

Außer Wohngebäuden entstanden nach 1945 auch einige Gebäude, die für gesellschaftliche Zwecke und die Produktion genutzt werden.

Als erstes ist die Entstehung des Volksheimes zu nennen, das am 9.12.1945 (siehe Vorher!) nur als Baracke für Versammlungszwecke und etwas später für den Schulsport und Sport für Jugendliche und Erwachsenen aufgestellt und weiter ausgebaut wurde.

Am 6.11.1948 wurde dann das eigentliche Volksheim mit Gaststube, Kulturraum, FDJ-Zimmer u. auch mit einer kleinen Bühne und Umkleideraum eröffnet. Die Wohnung (im unteren Teil) und damals 1 - 2 Fremdenzimmer wurden erst etwas später fertiggestellt. Einige Jahre später wurde dann der Saal noch einmal generalüberholt, morsche Dielen wurden durch Beton und Fußbodenbelag erneuert (Parkett wurde gelegt).

 

Als weitere gesellschaftliche Einrichtungen entstanden dann:

Vorwort 30

Über Entstehung und Entwicklung des VEB Holz- und Drechslerwaren Rothenthal aus der ehemaligen PGH Holzwaren Rothenthal (Exzerpt aus dem Referat des früheren Betriebsleiters Werner Reichel anlässlich des 30-jährigen Bestehens der PGH/ VEB Hodrewa)

 

Im Zuge der Entwicklung in den fünfziger Jahren zeigte es sich, dass die engen Grenzen der zersplitterten privaten Produktion nur durch die genossenschaftliche Arbeit und Bildung genossenschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln überwunden und die Vorzüge der sozialistischen Gesellschaftsordnung auch in diesem Bereich der Produktion wirksam genutzt werden konnte.

Neues entsteht nicht von heute auf morgen. Menschen mit Mut, Risikobereitschaft und persönlichem Engagement waren nötig. Ausgehend von der am 18.5.1955 von der Regierung der DDR erlassenen Verordnung über Produktionsgenossenschaften des Handwerks fanden sich am l6.7.1956 23 Personen zur Gründungsversammlung der PGH des Holzhandwerks Rothenthal zusammen (siehe Gründungsprotokoll).

Koll. Herbert Flath aus Hallbach wird zum ersten Vorsitzenden der PGH gewählt. Die erste Produktionsstätte der PGH befand sich in den Räumen des ehemaligen Handwerksbetriebes Karl Reichel (heutige Garage). Produziert wurden Wasch- und Sitzhocker. Nach Ausscheiden des Koll. Flath als Vorsitzender übernahm Koll. Anton Prockl diese Funktion. Es erfolgte eine Erweiterung der Produktion auf Strumpfsortiertische für ESDA Thalheim, Fuß- und Laufleisten für das Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt und Lagerregale für Textima Karl-Marx-Stadt. Das Einbringen der Räumlichkeiten des PGH-Mitgliedes Josef Agert in die Genossenschaft ermöglichte die Produktion von Sparhäuschen und Sparpilzen.

Die maschinelle Ausrüstung bestand damals z.T. aus Eigenbau, keinerlei Abzugsvorrichtung war vorhanden - die Pausen wurden in den Arbeitsräumen verbracht - noch kein Spritzraum war vorhanden - Farbgebung (Grundieren u. Lacken) erfolgte von Hand.

Die Auflösung der Firma Biermann in Olbernhau-Grünthal ermöglichte die Übernahme des Grundstückes einschließlich des Gebäudes in Pacht. Nach ca. halbjähriger Bauzeit (größere Fenster, Versetzen von Wänden) konnte die Produktion in diesem Gebäude aufgenommen werden. Dadurch erfolgte eine Erweiterung der Produktion auf erzgebirgischen Raum- und Tafelschmuck, speziell Räuchermänner.

Der technische Stand der Produktion war u.a. gekennzeichnet durch den Antrieb über Wasserrad, Transmissionen mit Treibschnur oder -riemen. Damals begannen erste Umrüstungen der Maschinen auf Direktantrieb - bei Regenwetter abdecken der Maschinen mit Planen - Reparatur des Daches und Rekonstruktion des Gebäudes ermöglichte die Aufnahme weiterer Produktion in Form von Blumenhockern. Es erfolgte die Umschulung von gelernten Tischlern zu Holzdrechslern. Die Produktion von Möbelfüßen erweitert das Produktionsvolumen und ist auch heute noch Bestandteil der Drehteilproduktion.

Im Jahre 1961 erfolgte die Übernahme der Funktion des PGH-Vorsitzenden durch Koll. Burkhard Ulbricht. Durch Ankauf einer Produktionsbaracke aus Stralsund und Aufstellen der Baracke in Eigenleistung nach Arbeitsschluss - sonntags und samstags ohne Bezahlung - nach Fertigstellung der Räume wurde wieder nach Arbeitsschluss umgeräumt, um den Produktionsausfall so niedrig wie möglich zu halten. Im Zeitraum von 1960 - 1962 erfolgte eine kontinuierliche Entwicklung der PGH zu einem stabilen Partner der Wirtschaft. Das Auflösen der vielen kleinen Produktionsstätten ermöglichte eine weitere Steigerung und Erweiterung in Vorwort 31 den Sortimenten Räuchermänner und Nussknacker. Durch Konzentration in der Produktion ergaben sich bedeutende Vorteile, die entsprechende Auswirkungen auf ökonomischem Gebiet mit sich brachten. Ende der sechziger Jahre wurde das Verwaltungsgebäude in seiner früheren Gestalt errichtet und in den Jahren 1978/80 zu seiner heutigen Form erweitert .Das bedeutete eine große Verbesserung der Arbeits- u. Lebensbedingungen für die Werktätigen (Speise- bzw. Aufenthaltsraum aufgebaut).

 

Am 12.Mai 1972 erfolgte die Umwandlung der PGH in einen volkseigenen Betrieb, gleichzeitig erfolgte die Angliederung der PGH des holzverarbeitenden Handwerks "Neue Zeit" Rübenau.

Seit Übernahme ins Volkseigentum hat der Betrieb eine rasche und kontinuierliche Entwicklung als Produzent von erzgebirgischem Raum- und Tafelschmuck genommen. Das ergab sich aus der starken Nachfrage in diesen Sortimenten sowohl im Inland als auch auf den Exportmärkten.

Wirtschaftsorganisatorische Maßnahmen unserer sozialistischen Staatsorgane führten zu Beginn des Jahres 1976 dazu, dass der ehemalige VEB Zöblitzer Kulturwaren und 1980 der ehemalige VEB Raumschmuck Olbernhau dem VEB Hodrewa Rothenthal angegliedert wurden. Diese Umprofilierungsmaßnahmen führten in den neuen Betriebsteilen zur Erweiterung des Sortiments an erzgebirgischen Volkskunsterzeugnissen. Innerhalb des Kombinates "Erzgebirgische Volkskunst" nimmt der VEB Hodrewa Rothenthal einen wichtigen Platz ein.

Viele Neuentwicklungen an Nussknackern, die durch den ehemaligen Produktionsleiter, Koll. Peter Stephani, entwickelt wurden, bereicherten das Sortiment und halfen wesentlich, die Umsatzgrößen im Exportgeschäft bedeutend zu erhöhen. Seit dem Ausscheiden des Koll. Stephani aus dem Betrieb werden die Entwicklungen durch den Koll. Wolfgang Neumann weitergeführt.

Heute besteht der Betrieb aus sieben Betriebsteilen, die in enger Zusammenarbeit die dem Betrieb vorgegebenen Aufgaben als stabiler Partner der Volkswirtschaft erfüllen.

Dieser Trend der Aufwärtsentwicklung verstärkte sich insbesondere seit das Kombinat "Erzgebirgische Volkskunst Olbernhau" im Oktober 1981 geschaffen wurde.

Der VEB Hodrewa Rothenthal stellt sich das Ziel, die in den vergangenen 30 Jahren erreichten Ergebnisse durch Rationalisierungsmaßnahmen eine weitere Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen und höhere ökonomische Ergebnisse zu erzielen.

Vorwort 32

Die Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens nach 1945

Allgemeines: Nach Beendigung des 2.Weltkrieges atmeten die Menschen zunächst erst einmal auf. Alle waren froh, dass der schreckliche Krieg mit all' seinen Entbehrungen und der Not vorbei war. Sie brauchten nun keine Angst mehr vor Bombenangriffen zu haben, und die Verdunklung der Fenster hatte ein Ende. Der elektrische Strom war zwar nur zeitweilig vorhanden, aber auch die primitive Beleuchtung mit Kerzen und Bunkerlichtern konnte wieder ohne Angst vorgenommen werden. Die Not war groß – vor allem plagte der Hunger die meisten Menschen - aber bald stellte sich bei vielen Menschen der Wunsch nach Geselligkeit und Unterhaltung ein.

Der damalige Bürgermeister, Gen. Max Ebert, versuchte, das kulturelle Leben langsam wieder in Gang zu bringen. Nach einer Aussprache mit dem damaligen Neulehrer, Gen. Werner Schönherr,  der im Oktober 1945 seinen Dienst an der Schule aufnahm, verfasste der Bürgermeister ein Schreiben, wonach der neue Lehrer als Kulturreferent eingesetzt wurde und den Auftrag erhielt, das kulturelle Leben wieder in Gang zu setzen. Der schriftliche Auftrag wird im Anhang beigefügt.

Der Lehrer W. Schönherr mobilisierte daraufhin viele Bürger, von denen bekannt war, dass sie ein Instrument spielten oder Interessen am Laienspiel oder am Gesang hatten. So entstanden in relativ kurzer Zeit ein kleines Orchester, eine kleine Musikgruppe, eine Laienspielgruppe und eine Singgruppe, von denen später berichtet werden soll.

 

Gründung des Volkschores

Vor dem 2.Weltkrieg bestanden In Rothenthal zwei Chöre. Dieser Tradition folgend fanden sich am 17.5.1946 im damaligen Gasthof 16 Sängerinnen und Sänger zusammen, um einen Volkschor zu gründen. Zu diesen Gründern gehörten:

Bräuer, Hanni           Buschbeck, Marga       Hengst, Hilde

Helbig, Elise             Ihle, Walter             Kunz, Charlotte

Morgenstern, Marga    Prockl, Käthe          Schönherr, Marianne

Wittig, Marie           Zänker, Hilde            Schönherr, Otto

Schönherr, Herta       Mehner, Gretel          Rietschel, Lotte

Stephani, Rudolf

ab 1.9.1946: Rietschel, Hans ab 1.10.46: Schönherr, Werner

ab 1.6.1947: Prockl, Siegfried 1.10.47: Zänker, Helmut

Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Mitglieder des Volkschores weiter zu, so dass im Jahre 1963 insgesamt 29 aktive Sängerinnen und Sänger erfasst waren. Einzelne Mitglieder schieden wegen Wegzugs, Krankheit oder Tod aus, neue wurden wieder aufgenommen.

Der gemischte Volkschor stand in den ersten Jahren unter der Leitung des Liedermeisters Arthur Walther. Später - nach dem Tod des Liedermeisters - übernahm Albert Enzmann den Chor als Liedermeister.

Viele Jahre hindurch gestaltete der Volkschor zahlreiche Veranstaltungen, Fest- u. Feierstunden mit aus, sei es zum 1. Mai, zu Pfingsten, zum Geburtstag der Republik oder zu besonderen Höhepunkten im gesellschaftspolitischen Leben. Besonders zu erwähnen sind auch die Einsätze bei den jährlichen Jugendweihefeiern ab 1960 im Volksheim Rothenthal, einmal auch in Rübenau. Nach Abschluss des 350-jährigen Heimatfestes im Jahre 1976, zu dem auch die vereinigten Chöre aus Olbernhau, Blumenau und Rothenthal mitwirkten, wurde der Chor zu seinem 30-jährigen Bestehen noch einmal zu einem geselligen Abend ins Volksheim eingeladen, geehrt und bewirtet. Da die Zahl der Sänger immer kleiner wurde

Vorwort 33

und in der letzten Zeit bereits mit den Chören Olbernhau und Blumenau kooperiert werden musste, hörte er wenig später zu bestehen auf. Für nur noch 10 aktive Sänger war das bedauerlich, aber der Aufwand (wöchentlich mit Sonderbus nach Olbernhau oder Blumenau) war nicht mehr tragbar. Alle Bemühungen, den Chor im Laufe der letzten Jahre besonders durch junge Kräfte zu stärken bzw. zu erhalten, schlugen immer wieder fehl. Mehrere der älteren Sänger waren durch Krankheit oder Tod ausgeschieden. In seiner Blütezeit hatte der Chor bis zu 30 Mitglieder, kurzzeitig sogar über 30 Sänger. Es waren einmal 8 Tenöre und 8 Bässe dabei, also 16 Männer und ebensoviel Frauen.

 

Entstehung und Arbeit von Singgruppen

Neben dem Volkschor bestand auch zugleich eine Singgruppe mit unterschiedlicher Zusammensetzung, die teils aus der FDJ, teils aus eigenem Antrieb der jungen Menschen hervorging. Diese Singgruppe trat mit Jugend-, Friedens- und Volksliedern auf. Die erste Singgruppe bildete sich Ende 1947 und trat am 30.12.1947 zum ersten Mal in Aktion. Im Jahre 1952 erfolgte eine Umbesetzung, und es sangen Marianne Schönherr, Hilde Ebert, Hilde Hengst und Marie Siegert. 1955 erfolgte wiederum eine Umbesetzung mit M. Schönherr, Herta Gnauck, H. Ebert und Elise Helbig, Frl. Siegert hatte die Instrumentalbegleitung mit Akkordeon, Klavier oder Zither. Nachdem H. Ebert die Republik verlassen hatte und ausschied, trat Frau Ursel Uhlig an ihre Stelle. Gleichzeitig kamen Harry Uhlig und Inge Knarr als Instrumentalbegleitung hinzu. Im Herbst 1961 löste sich diese Singgruppe wegen Unstimmigkeiten mit U. Uhlig auf. Im Jahre 1970 erfolgte ein Neubeginn der Arbeit der Singgruppe mit H. Schönherr, Harry Uhlig, Elise Helbig, Marie Siegert, Werner Schönherr und Inge Knarr. Die Singgruppe wurde erstmals in einem Artikel der FP als "Rothenthaler Mäd" bezeichnet und ist dann mehrere Jahre hindurch unter dieser Bezeichnung aufgetreten. Ab 1970 war das nicht mehr möglich, sie nannte sich "Rothenthaler Singgruppe". Die "Rothenthaler Mäd" waren sehr bald im ganzen Kreis und darüber hinaus bekannt. Unter der Schirmherrschaft des Rates des Kreises, Abt. Kultur, wurde die Singgruppe in den Jahren 1955 und 1956 nach Hamburg und 1961 nach Nürnberg delegiert, um im Austausch mit dem Freundeskreis Hamburg und Nürnberg "Zwischen hüben und drüben" Kontakte aufzunehmen und zu pflegen.

 

Die Singgruppe wirkte natürlich in erster Linie auch im Heimatort zu vielseitigen Anlässen mit. Bei Besuchen von Delegationen wie Künstler aus 5 sozialistischen Ländern, Generalstabsoffizieren der DDR und der UdSSR, Delegationen der KP Frankreichs und des Generalsekretärs der SEP Neuseelands u.a.m. wurde die Singgruppe gebeten, ein kulturelles Programm darzubieten.

Auch zu Jahresabschlussveranstaltungen des Rates des Kreises und einiger Betriebe wurde die Singgruppe verpflichtet. In der Presse erhielt die Singgruppe viele Male großes Lob, besonders auch nach Rentner-Weihnachtsfeiern in vielen Orten des Kreises. Im Oktober 1972 und 1975 erhielt die Singgruppe zweimal den Titel "Hervorragendes Volkskunstkollektiv" verliehen und wurde mit Urkunden und Prämien ausgezeichnet.

Zum 350-jährigen Heimatfest im August 1976 und zum 100-jährigen Schulfest im August 1981 gestaltete die Singgruppe das Festprogramm mit aus. Auch zum Leistungsvergleich des Gemeindeverbandes "Hirtstein" wirkte die Singgruppe am 30.10.1982 mit.

Vorwort 34

Am 12.12.1982 gestaltete die Singgruppe noch einmal die Rentnerweihnachtsfeier im Volksheim Rothenthal in Verbindung mit der Dorfclub-Combo aus.

Da im Februar 1983 Kolln. Maja Siegert ihren Wohnsitz in die BRD verlegte, konnte die Singgruppe nicht mehr wirken.

 

Gründung und Arbeit der Kulturgemeinde

Am 17.8.1946 wurde der damalige Neulehrer Werner Schönherr vom Bürgermeister Max Ebert mit dem Amt des Kulturreferenten beauftragt (Abschrift des Schreibens siehe im Anhang!).

Aus diesem Schreiben geht u.a. hervor, dass dem Koll. Schönherr alles unterliegt, was mit dem Wort Kultur in Zusammenhang zu bringen ist. Es wird weiterhin darauf verwiesen, dass er sich einen  Stab von leistungsfähigen Mitarbeitern suchen soll und dass der Bürgermeister diese Einwohner in den Kulturausschuss berufen will.

Nach Erhalt dieses Schreibens setzte sich Koll. Schönherr mit zahlreichen Einwohnern in Verbindung, von denen bekannt war, dass sie ein Instrument spielten oder Interesse am Laienspiel oder am Gesang hatten. So entstanden in relativ kurzer Zeit eine Volksmusikgruppe unter Leitung von Herrn Albert Enzmann, eine Bläsergruppe unter Leitung von Herrn Max Walther, eine Laienspielgruppe unter der Regie von Herrn Hans Rietschel und eine Singgruppe unter Anleitung von Frau Marianne Schönherr.

Außerdem wurde eine Bastlergruppe unter Leitung von Herrn Max Uhlig und eine Schachgruppe unter Anleitung von Herrn Helmut Zänker gebildet. Der bereits vorher gegründete Volkschor stand unter Leitung von Herrn Rudolf Stephani als Vorsitzenden.

Mit den genannten Kulturgruppen wurde nun fleißig geübt und geprobt mit der Zielstellung, bereits am Ende des Jahres 1947 mit einem gemischten Programm an die Öffentlichkeit treten zu können. Am 1. Weihnachtsfeiertag 1947 war es so weit. In einem dreiteiligen Programm stellten sich die Musiker, Sänger, Rezitatoren und Laienspieler vor und ernteten lebhaften Beifall. Die Laienspielgruppe mit dem Schwank "Der teire Zessig“ von Karl Schreiter fand besonderen Applaus.

Bereits am 30.12.1947 kam es dann zur Gründung der Kulturgemeinde Rothenthal in Verbindung mit der Wahl des Gesamtvorstandes. Ihm gehörten an:

Schönherr, W.          - 1. Vors.

Rietschel, P.             - 2. Vors.

Feist, H.                - 1. Schriftwart

Zänker, H.              - 2. Schriftwart

Bauer, A.              – 1. Kassenwart

Schreiter, L.            - 2. Kassenwart

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Ulbricht, M.

Sachse, L.

Kempf, A.                Unter-

Schlesinger, K.          kassierer

Reichel, S.

Ihle, W.

Außer diesen Einwohnern gehörten zum erweiterten Vorstand noch die vorher genannten Interessengruppenleiter und 6 Saalwarte. Dem Aufruf des Lehrers W. Schönherr in der Eröffnungsveranstaltung am 1. Weihnachtsfeiertag, der Kulturgemeinde als Mitglieder beizutreten und diese durch Spenden zu unterstützen, folgten ca. 190 Einwohner. Die Spendenbeiträge beliefen sich von 1,- M bis zu 50.- M. Dadurch war es möglich, weiteres Material für die Kulturarbeit zu beschaffen und Dekorationen mit bestimmten technischen Effekten aufzubauen, z.B. Widerstand für Beleuchtung, Anlage für Erzeugung von Blitz und  Donner usw.

Bei Veranstaltungen erhielten die Mitglieder der Kulturgemeinde reservierte Tische und verbilligte Eintrittspreise.

Vorwort 35

Die Kulturgemeinde führte in den folgenden Jahren zahlreiche Veranstaltungen durch, wobei die Laienspielgruppe zum Hauptträger der Veranstaltungen wurde, während die Musikgruppen nach

und nach zerfielen bzw. sich zu einer Tanzmusikgruppe formten.

Davon soll hinterher berichtet werden.

Die Programme der Laienspielgruppe waren in erster Linie erzgebirgische Schwänke wie "Der teire Zessig" u. "Das Amtsjubiläum" von Karl Schreiter, “Das Couragewasser" und "Wenn dr Hahn kräht" und darüber hinaus die herrlichen Weihnachtsmärchen "Die Goldenen Nüsse" und "Der Rotkopf-Jörg" von Otto Roth. Die Arbeit der Laienspielgruppe erstreckte sich nicht nur auf Einsätze in Rothenthal, sondern auf Grund zahlreicher Anträge auch auf andere Orte des

Kreises, auch in der Kulturhalle des VEB Blechwalzwerk wurde gespielt.

Am 3.1.1948 gastierte die Damenkapelle Münzner aus Lengefeld mit einem Konzert und anschließendem Tanz bei uns. Alle Musiker übernachteten bei Mitgliedern der Kulturgemeinde und wurden in dieser schlechten Zeit mit verpflegt.

Bereits am 30.1.1948 trat die Kulturgemeinde wieder mit einem gemischten Programm mit Musik, Liedern, Rezitationen und dem Erzgebirgsschwank  "Das Amtsjubiläum" an die Öffentlichkeit. Auch diese Veranstaltung war wieder ein großer Erfolg.

Einen Höhepunkt in der Laienspielarbeit bildete die Aufführung

der Weihnachtsmärchen  "Die Goldenen Nüsse" am 29.12.1949 und ein oder zwei Jahre später die Wiederholung dieses Märchens und schließlich das Stück "Der Rotkopf-Jörg". Beide Märchen wurden von Otto Roth geschrieben. Das Besondere an diesen Aufführungen war, dass die Spieler der Laienspielgruppe (ca. 12) durch zahlreiche Schüler der damaligen Grundschule Rothenthal ergänzt wurden, viele Lieder durch den Schülerchor (ca. 30) gesungen wurden, so

dass eine komplexe Theaterschar vorhanden war. Die Schüler sangen im Chor und spielten im Wechsel im Stück mit. Die Aufführung fand unter den Zuschauern großen Anklang und löste z.T. Begeisterung aus. Die Laienspielgruppe trat in Vorbereitung des 75-jährigen Schul- und Heimatfestes 1956 bereits Ende 1955 noch einmal mit dem Spiel "Der teire Zessig" in Aktion, um einen finanziellen Grundstock für das Schulfest zu schaffen. Die Kulturgemeinde bestand zu dieser Zeit bereits nicht mehr, weil im Zuge der Entwicklung die Auflösung dieser bewährten Kulturgemeinden von übergeordneter Stelle angeordnet wurde und dafür die Volksbühne / Kulturbund ins Leben gerufen wurde. Die Auflösung unserer Kulturgemeinde erfolgte am 6.1.1949 (siehe Protokoll im Anhang!).

Arbeit von Tanzmusikgruppen

Aus der anfangs tätigen Instrumentalgruppe bildete sich schließlich eine Tanzmusikgruppe mit Akkordeonspielern, Geigern und Schlagzeug heraus, die zeitweilig den Namen "Jugendtanzorchester" trug.

Diesem Jugendtanzorchester gehörten an:

Bach, Gotthard                       Siegert, Maja

Prockl, Werner                       Enzmann, Albert

Schaarschmidt, Joh.                Dittrich, Wolfgang

Morgenstern, Rudi                    Köppe, Günter

Nach Wegzug von R. Morgenstern übernahm, Manfred Reichel das Schlagzeug und für Johannes Schaarschmidt trat Wolfgang Richter mit dem Akkordeon in die Tanzmusikgruppe ein. Nach Ausscheiden der drei Geiger Dittrich, Köppe und Enzmann entstand eine kleinere Tanzmusikgruppe, die vorwiegend aus Akkordeonspielern und dem Schlagzeug bestand. Für Manfred Reichel kam dann Kurt Ulbricht in die Gruppe, der Schlagzeug spielte und auch Trompete blies.

Vorwort 36

Nach Gründung des Dorfclubs etwa 1960/61 erhielt die Tanzmusikgruppe den Namen "Dorfclub-Combo", den sie bis heute führt. Nach dem 350-jährfigen Heimatfest im Jahre 1976 erhielt die Combo eine Orgel - die von Wolfgang Richter gespielt wird - und eine Verstärkeranlage. Die Dorfclub-Combo spielt seit dieser Zeit vorwiegend in anderen Orten bzw. Ferienheimen, unterstützte aber auch viele Rentnerveranstaltungen im Heimatort. Sie bereitet damit besonders den Rentnern große Freude, wird aber auch von vielen Einwohnern gern gehört. Als Gesangssolist tritt Gotthard Bach auf, und seit ca. 2 Jahren übernahm Peter Brückner das Schlagzeug, so dass Kurt Ulbricht nur noch die Trompete zu spielen braucht.

Neben dieser Tanzmusikgruppe hatte sich eines Tages eine zweite Gruppe gebildet, die den Namen "Sternquartett" trug. Ihr gehörten an:

Ihle, Karlheinz    - Schlagzeug

Bauer, Lothar     - Bassist

Schaarschmidt, J.- Akkordeon/ Bach Gotthard - Akkordeon

Pflugbeil, Roland

Diese Formation bestand ca. 4 bis 5 Jahre und spielte vorwiegend auswärts, hin und wieder einmal beim Steffi-Wirt im Volksheim.

Das Sternquartett hörte Ende März 1959 auf zu bestehen. Beide Tanzmusikgruppen spielten nicht durchgehend, sondern hatten zeitweilig Ruhepausen, weil es hier oder da nicht immer glatt ging.

 

Am 20.2.1988 feierte die sog. "Dorfclub-Combo" ihr 40-jähriges Jubiläum, zu dem ca. 80 Rothenthaler Bürger und die Bürgermeister des Gemeindeverbandes "Hirtstein" als Gäste geladen waren. Zahlreiche Glückwünsche und Geschenke wurden den Mitgliedern der Dorfclub-Combo überbracht.

 

Wiedereröffnung und Arbeit der Gemeinde-Bibliothek

Zu den Trägern der Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens zählt auch die Gemeindebibliothek.

Sie wurde am 1.3.1946 wieder eröffnet, nachdem eine umfassende Säuberung des Buchbestandes von anti-humanistischer und faschistischer Literatur vorgenommen wurde. Am Anfang war die Bibliothek im Lehrerzimmer der Schule untergebracht und wurde ehrenamtlich vom Lehrer W. Schönherr geleitet. Nach einiger Zeit wurde die Bücherei in das Klassenzimmer 1 umgesetzt, weil das Lehrerzimmer zu klein war. Einige Jahre später erfolgte die Umsetzung

der Bibliothek in den Kulturraum des Volksheimes und ein zweiter Schrank musste auf Grund des Anwachsens des Buchbestandes vom Tischler angefertigt werden. Die Leitung der Bücherei ging dann auf Frau Marianne Schönherr über, die dafür sorgte, dass sie aus dem Volksheim zum Rat der Gemeinde (heutiges Sitzungszimmer) umgesetzt wurde. Dort blieb sie bis zur Fertigstellung des Mehrzweckgebäudes im Oktober 1959. Inzwischen ist der Buchbestand weiterangewachsen, so dass jetzt mehrere Regale vorhanden sind und eine Freihand-Ausleihe durchgesetzt werden konnte. Natürlich ist im Laufe der Jahre die Zahl der Leser auf ca. 200 angestiegen, einschließlich der Kinder. Von Herbst 1961 bis Sommer 1964 lag die Leitung der Bücherei in den Händen von Frau Erna Feist, die dann wiederum von Frau Marianne Schönherr abgelöst wurde. Die Bibliothek wurde in den letzten Jahren wiederholt wegen reger Beteiligung der Leser und guter Arbeit durch die Büchereileiterin ausgezeichnet. Von Seiten des Volkskorrespondenten Kurt Schubert wurden auch Artikel in der Freien Presse veröffentlicht.

Vorwort 37

 

Die Entwicklung der Schule nach 1945 als wichtiger Träger des geistig-kulturellen Lebens

Auf Anordnung der damaligen SMAD wurden Anfang Oktober 1945 die Schulen wieder geöffnet - die gegen Ende des Krieges geschlossen worden waren - und der Unterricht unter schwierigen

Bedingungen aufgenommen. An der Schule Rothenthal waren zu diesem Zeitpunkt nur zwei Lehrer tätig, der damalige Schulleiter, Oberlehrer Kurt Herklotz, u. Frl. Bokemeyer, die von Pockau nach hier versetzt worden war. Am 16.10.1945 nahm als dritte Lehrkraft der damalige Neulehrer Werner Schönherr seinen Dienst an der Schule auf. Bereits Anfang Dezember 1945 musste Oberlehrer Herklotz als ehemaliger Angehöriger der NSDAP aus dem Schuldienst ausscheiden, so dass für einige Zeit nur die beiden vorher genannten Lehrer den Unterricht für 4 gemischte Klassen (je zwei Jahrgänge in einer Klasse) erteilten. Die Stärke der kombinierten Klassen betrug z.T. bis zu 40 Schülern, eine Klasse hatte sogar 42 Schüler. Damals erhielt ich als Neulehrer die Klassen 3/4 und 5/6 als Klassenleiter und erteilte noch Mathematik in der Klasse 7/8. In der Folgezeit wurden dann weitere Neulehrer eingestellt, die aber oft nur kurze Zeit aushielten, weil ihnen diese Aufgabe nicht lag oder zu viel Nervenkraft erforderte. Das Unterrichten wurde dadurch erschwert, weil noch kein neuer Lehrplan vorhanden war und die Lehrbücher auf Grund der faschistischen Ideologie zum größten Teil vernichtet werden mussten. Nur wenige durften noch kurzzeitig verwendet werden. Auch mit Schreibpapier sah es anfangs schlimm aus. Es durfte auf Zeitungsränder geschrieben werden.

Durch die Nazi-Herrschaft von 1933 bis zum Tag der Befreiung am 8.Mai 1945 wurden die Gelder erst für die Aufrüstung und dann durch den sog. totalen Krieg gegen fast ganz Europa verpulvert. Die Folge davon war, dass auch für die Schulen jahrelang keine ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung standen und die Schule innen und außen in einem schlechten Zustand war. So auch in Rothenthal. Die Wände der Klassenräume und die Fußböden waren

in einem schlechten Zustand. Von den Wänden schimmerten faschistische Losungen durch, die man im letzten Moment zu überkalken versucht hatte.

So begann unter der Regie der neu eingesetzten Schulleiterin, Frl. Bokemeyer, eine Generalrenovierung der Räume und Ausgestaltung mit Symbolen der erzgebirgischen Heimat. Unter Mithilfe zahlreicher Einwohner bzw. Handwerker wurden die Klassenzimmer

und sonstigen Diensträume renoviert, die alten Schränke wurden gestrichen und mit Heimatmotiven bemalt. Im Zimmer 2 wurde eine Wandverkleidung und gleichzeitig eine Zwischenwand mit verschiebbaren Türen eingebaut, so dass für einige Zeit Gottesdienst und religiöse Handlungen wie Kindtaufen u.a. abgehalten wurden. In den beiden Klassenräumen 1 u. 2 wurden neue Dielen auf die alten verlegt, und auch im Schulhaus und am Treppenaufgang bis Zimmer 3 wurde eine Wandverkleidung angebracht. Die alten unregelmäßigen Steinplatten im Haus wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt herausgerissen und durch rotbraune Fliesen ersetzt.

Die Einweihung der renovierten Schule fand am 1.Advent 1947 statt und kirchliche Veranstaltungen wurden bis Mai 1953 in der Schule abgehalten. Dann wurden Kirche und Staat getrennt und die Zwischenwand wurde von Vertretern des Kirchenvorstandes abgebaut.

Am 1.8.1949 erhielt Lehrer W. Schönherr den Auftrag, die Leitung der Schule Rothenthal zu übernehmen.

Vorwort 38

Den Verhältnissen entsprechend - die finanziellen Mittel waren noch sehr begrenzt - wurden weitere Verbesserungen und Modernisierungen vorgenommen. Die Trennwände zwischen den Abortsitzen wurden hochgezogen und Türen angebracht. Im Vorraum wurde eine Waschanlage mit 4 Waschbecken eingebaut, die im Winter bei Frosteinbruch leider abgestellt werden muss, weil keine Unterkellerung bzw. Heizung vorhanden ist. Die alten Wandtafeln wurden durch neue,

an der Wand befestigte Schiebegestelltafeln Schritt für Schritt ersetzt. Neue Schulmöbel (Tische u. Stühle) wurden Zimmer für Zimmer bestellt und aufgestellt. Die alten Schulbänke wurden ausrangiert.

Eine besondere Bedeutung für den Sportunterricht und Sport für Jugendliche und Erwachsene stellte der Um- und Ausbau der ehemaligen Feuerwehrgerätehalle zu einer kleinen Turnhalle dar. Der Sportunterricht musste einige Jahre lang im Volksheimsaal durchgeführt werden. Das gab oft Schwierigkeiten mit den verschiedenen Wirtsleuten, besonders dann, wenn am Abend vorher ein Tanzvergnügen stattgefunden hatte und am nächsten Morgen der Sport beginnen sollte. Die Sportgeräte einschließlich Spannreck wurden in einer Baracke unterhalb des Volksheims aufbewahrt und von den Schülern an- und abtransportiert. Der Ausbau dieser

Turnhalle wurde möglich, nachdem die ehemalige Papierfabrik abgebrannt war und die Produktion nicht wieder aufgenommen wurde. Das neue Feuerwehrgerätehaus wurde in die frühere Niederlage der Papierfabrik eingebaut und die Turnhalle direkt am Schulhaus ausgebaut. Die Beheizung der Halle erfolgte viele Jahre lang durch einen großen eisernen Ofen - ein kleiner stand noch im Umkleideraum – bis dann ein Warmlufterhitzer mit einer Höchstleistung von 24 Kw in drei Schaltstufen eingebaut wurde. Das Parkett der Halle wurde in Eigenleistung hergestellt und verlegt. Einen wesentlichen Anteil daran hatte der Sportfreund Erich Zänker, der die fachmännige Anleitung gab. Das Dach wurde durch neue Sparren hochgezogen, und als Geräteraum wurde ein Anbau von 6 m erstellt. Die Einweihung der Turnhalle erfolgte am 30.10.1963 (siehe Foto!).

Weil die Beheizung der Turnhalle besonders in den kalten Wintermonaten nicht ausreicht und Kinder und Lehrer trotz Erwärmungsübungen frieren, wurde bereits mehrere Jahre erwogen, eine andere Beheizung einzubauen. Das Projekt, eine komplexe Lösung für Schule und Turnhalle durch den Bau eines großen Kesselhauses zu finden, musste 1986 wieder aufgegeben werden (zu hohe Kosten - ein Schornstein von 28m Höhe am Waldrand zur CSSR).

Im Herbst 1987 wurden die Fenster zur Natzschungseite zugemauert und zur Hofseite zu neue, nicht ganz so große Fenster wie vorher, eingebaut. Auch die Decke der Turnhalle wurde durch Isoliermaterial etwas wärmeundurchlässiger gestaltet. Der Ausbau eines Wasch- und Duschraumes wurde im früheren Waschhaus begonnen und soll 1988 fertiggestellt werden. Außerdem soll 1988 ein kleines Heizhaus für die Turnhalle gebaut und mit einem Heidena-Ofen angeschlossen werden.

Ein betrübliches Kapitel bei dem ständigen Bemühen, die Einrichtung der Schule weiter zu verbessern, sind die veralteten Trockenklosett-Anlagen der Schule. Jahrelang wurden noch von Seiten des Bürgermeisters Rudi Kunz Eingaben gemacht und Anträge für die Bewilligung der erforderlichen Mittel gestellt. Leider ohne Erfolg. Mit dem Bau eines großen Heizhauses für Schule u. Turnhalle hätte dieses Problem gelöst werden können. Ein Teillösung zur Erstellung von Klärgrube und WC ist nur in Verbindung mit dem Erstellen eines größeren Heizkessels und dem Einbau von Heizungsrohren in die Räume bzw. Vorräume der Toilettenanlage möglich.

Vorwort 39

Aussprachen mit Vertretern der Abt. Volksbildung u. der Staatlichen Plankommission führten bisher zu keinem positiven Ergebnis. Wann wird es einmal so weit sein?

Nicht vergessen werden darf der Einbau neuer Fenster in der Schule. Der Einbau erfolgte in zwei Etappen. Im ersten Jahr in den Zimmern 1 und 2 (14 große Fenster) und im nächsten Jahr in den oberen Räumen (Zimmer 4, Lehrerzimmer und Wohnung). Im Zimmer 3 waren bereits Doppelfenster eingebaut worden, die noch sehr gut erhalten waren. Nicht erneuert wurden die Fenster in den Lehrmittelräumen, im Hausaufgang und die kleinen auf dem Läuteboden. Hergestellt wurden die meisten Fenster von der Lehrwerkstatt des VEB Holzbau unter Leitung des damaligen Lehrausbilders Willi Freier. Einige Fenster in den Wohnungen (Schönherr/Tanneberger) wurden etwas später von einem Tischler aus Oberneuschönberg nachgearbeitet und vom Maurer eingesetzt.

Ein großer Fortschritt war das Auslegen der Klassenzimmer und des Lehrerzimmers mit Spanplatten und Fußbodenbelag (brauner Industriebelag), im Lehrerzimmer farbiger Belag. Das Säubern der Räume (Kehren und Wischen) ist dadurch wesentlich leichter geworden und die Arbeitsbedingungen für die Reinigungskraft wurden verbessert.

Nur in sauberen und niveauvollen Räumen können sich die Schüler und Lehrer wohlfühlen und erfolgreich lernen. Das war das Leitmotiv der Schulleitung und der Lehrkräfte von 1945 an und hat sich bis heute fortgesetzt.

Seit Fertigstellung und Einweihung des Kindergartens am 7.10.1959 besitzt auch die Schule einen eigenen Speiseraum. Bei der Ausschachtung für die Grundmauern halfen nicht nur die Lehrer aus Rothenthal, sondern an einem Tag sogar die Lehrer aus Olbernhau fleißig mit. Jahrelang vorher wurde das Essen für die Schüler in einem Waschhaus des Volksheimes zubereitet und das Essen im Volksheim (auf der Empore) eingenommen. Das bereitete besonders im Winter große Schwierigkeiten, weil die Kinder von der Schule über den Volksheimplatz geführt werden mussten und dabei ihre volle Kleidung tragen mussten, da es im Saal kalt war.

 

Nunmehr soll auf die Bedeutung der Schule als wichtiger Träger des geistig-kulturellen Lebens in der Gemeinde übergeleitet werden.

Mit dem Übergang der antifaschistisch-demokratischen Schule zur sozialistischen Schule stiegen auch die Anforderungen an Lehrer und Schüler. Viele Eltern spürten, dass ihre Kinder immer mehr und besser lernten und stellten sich mit auf die neue Entwicklung ein. Die Schule wirkte nicht nur zu Elternaktivsitzungen und Elternversammlungen immer stärker auf die Verantwortung der Eltern bei der Erziehung und Bildung ihrer Kinder ein, sondern auch die Schule gewann immer mehr aktive Helfer bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit. Darüber hinaus trat die Schule bei öffentlichen Veranstaltungen wie Fest- und Feierstunden und zu besonderen Anlässen mit Kulturprogrammen und kulturellen Beiträgen an die Öffentlichkeit. Im Laufe der Jahre erfreuten vor allem der Pionier- und Schulchor und zwei Volkstanzgruppen, die durch Frau Marianne Schönherr aufgebaut und geleitet wurden. Die ältere Tanzgruppe errang dabei den Kreismeistertitel und nahm auch am Unterbezirksausscheid teil. Beide Volkstanzgruppen traten z.B. am 1. Mai oder bei Kreispioniertreffen in Erscheinung und erfreuten viele Bürger.

Eine besondere Überraschung war der Aufbau eines Pionier-Spielmannszuges durch Sportfreund Werner Pollmer (25 Pioniere), der neben dem SZ der SG Rothenthal fleißig übte und eines Tages zum Vorwort 40 Einsatz kam. Als anlässlich des 1.Mai beide Spielmannszüge erst in Olbernhau und dann in Rothenthal aufmarschierten und musizierten, löste das Freude und Bewunderung aus. Der Pionier-SZ trat dann zu einer Kreislehrer-Konferenz im Klubhaus der NVA Marienberg in Aktion und wurde begeistert aufgenommen. Als Tampour fungierte der Pionier Christian Reichel, der es seinem Lehrmeister und Vorbild Werner Pollmer gleich tat.

So strahlte die Schule auf geistig-kulturellem Gebiet vielfältig auf das Leben in der Gemeinde aus und trug dazu bei, das gesellschaftliche Leben zu bereichern. Einen Höhepunkt im Leben der Schule und der Einwohner bildete das vom 1.- 3.6.1956 durchgeführte 75-jährige Schul- und 330-jährige Heimatfest. Es wurde ein Festausschuss gebildet, dem die Vorsitzenden der einzelnen Kommissionen bzw. Arbeitsgruppen angehörten. Einer dieser Ausschüsse war für den Festumzug und einem abendlichen Lampionumzug verantwortlich. Der Festumzug war zwar nicht groß, stellte aber auf Festwagen mit Gespannen und LKW's die Entwicklung der Schule und des Ortes dar. Einige Fotos (linke Seite!) sollen einen kleinen Eindruck von damals vermitteln. Alle Schüler wurden in die Gestaltung des Umzugs einbezogen, auch die kleinsten.

 

Die Durchführung der Jugendweihe fand in den ersten Jahren mit relativ wenigen Schülern erst in Olbernhau, dann einmal in der Kulturhalle des VEB Blechwalzwerk in Oberneuschönberg statt.

Im Jahre 1959 nahmen alle Schüler der 8. Klasse an der Jugendweihe in ONS teil. Für die 100%ige Teilnahme erhielt die Klasse des Klassenleiters W. Schönherr als Auszeichnung einen kostenlosen 14-tägigen Aufenthalt an der Ostseeküste. Als Betreuer der Schüler fuhr der Bürgermeister Rudi Kunz mit, weil Lehrer W. Schönherr ausgerechnet zur gleichen Zeit seinen ersten Urlaubsplatz nach 14-jähriger Dienstzeit erhielt, ebenfalls an der Ostsee. Als zweite Klasse fuhr die 8. Klasse aus Rübenau unter Leitung des Lehrers Wolfgang Leisner mit. Das war für alle Beteiligten ein unvergesslich schönes Erlebnis. Ein Jahr später erreichte die andere Abteilung dieser Klasse wiederum eine 100%ige Beteiligung, und das Schönste war, die Jugendweihe fand erstmals im eigenen Ort - nämlich im Volksheim - statt. So wurde die Jugendweihe zu einer schönen Tradition im gesellschaftlichen Leben des Ortes, an der sich jährlich viele Einwohner und zahlreiche Gäste von auswärts beteiligten. Zweimal konnte die Jugendweihe mit einer fast immer 100%igen Beteiligung in den folgenden Jahren wegen Instandsetzungs- u. Renovierungsarbeiten nicht im eigenen Ort, sondern in der Kulturhalle stattfinden. Im Jahre 1987 gab es nur 4 Rothenthaler Schüler und Weihlinge in der 8.Klasse, so dass die Jugendweihe gemeinsam mit Oberneuschönberg im Tivoli Olbernhau stattfand, weil die Kulturhalle renoviert bzw. im Hinblick auf das Hüttenfest generalüberholt wurde.

Der größte Höhepunkt nach 1945 im Leben des Ortes und damit auch der Schule war das 350-jährige Jubiläum in Verbindung mit dem 100-jährigen Bestehen der FFW Rothenthal. Bereits ein Jahr vorher wurde der Festausschuss gebildet und ca. 10 Kommissionen bereiteten auf ihrem jeweiligen Gebiet das Fest vor. Die gesamte Einwohnerschaft half dabei tatkräftig mit, indem die Häuser renoviert bzw. mit einem Kalk- oder Farbanstrich versehen wurden, auch an das Schmücken und Illuminieren der Häuser wurde gedacht. Bereits ca. eine Woche vor dem offiziellen Vorwort 41 Beginn war bereits ein großer Teil der Häuser geschmückt und illuminiert, so das schon viele Gäste aus den Nachbarorten nach Rothenthal liefen oder mit dem PKW fuhren, um am Anblick des Ortes Freude zu haben. Dieser Zustrom verstärkte sich dann ganz besonders in der Festwoche selbst.

Am Freitag, dem 20.8.1976, fand eine Festveranstaltung mit zahlreichen Ehrengästen statt. Das Programm wurde aus eigenen Kräften gestaltet. Es wirkten mit die vereinigten Chöre Rothenthal, Olbernhau und Blumenau, die Singgruppe Rothenthal, eine Musikgruppe mit Maja Siegert und Harry Uhlig und natürlich Rezitatoren und ein Ansager. Zahlreiche Glückwünsche von Vertretern des Kreises, der Betriebe und der Partei und Massenorganisationen wurden Überbracht. Nach der Festveranstaltung fand ein geselliges Beisammensein mit Tanz statt. Es spielte die Dorfclub-Combo Rothenthal. In der Festwoche fanden täglich Veranstaltungen verschiedener Art statt. Auf der Freilichtbühne trat ein Ensemble der Konzert- und Gastspieldirektion auf, ein Tag gehörte den Kindern mit einem schönen Kinderfest. Alle Rothenthaler Kinder ab 3 Jahre erhielten ein Präsent. Veranstaltungen der FFW mit einer

Schauübung, Vorführung mit Dienst- und Gebrauchshunden, eine Rentner-Veranstaltung und ein Skatturnier wurden durchgeführt. Großer Beliebtheit erfreute sich auch eine riesige Tombola mit begehrenswerten Gewinnen wie Nussknacker, Räuchermänner u. viele andere Gewinne. Leider war die Tombola schon am Sonntagvormittag ausverkauft, und die großen Regale in der Turnhalle standen bereits leer. Das Heimatfest bot ein abwechslungsreiches und ansprechendes Programm. Im Ort selbst waren mehrere Zelte mit Gastronomie aufgestellt und zwar auf dem Volksheimplatz 2 Zelte, am Feuerwehrdepot und auf der Wiese unterhalb des Hauses von

Gustav Krapp je eins. Diese Einrichtungen erfreuten sich großer Beliebtheit, denn es war für Einwohner und zahlreiche Gäste täglich Hochbetrieb.

Den Höhepunkt des Jubiläums bildete der seit langem vorbereitete Festumzug mit Bildern aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart Rothenthals. Im historischen Festzug wirkten außer zahl-

reichen Erwachsenen die meisten Schüler sowohl aus Rothenthal als auch aus Oberneuschönberg mit. Die Kostüme wurden vom Stadttheater Freiberg entliehen und bauch die Schminker  kamen von dort. Der Festumzug mit ca. 40 Bildern auf LKWs und Pferdegespannen, mit Reitern und alten und neuen Fahrzeugen der FFW war für alle ein großes Erlebnis. Die Straßen des Ortes waren während und kurz nach dem Umzug so mit Menschen angefüllt, dass ein schnelles Begehen der Straßen unmöglich war. Die Zahl der Besucher und Gäste wurde auf über 20000 geschätzt, es können aber auch mehr gewesen sein. Ein Sonderparkplatz am Ortseingang Niederdorf (große Wiese) war mit Hunderten von PKWs besetzt. In den Verkaufseinrichtungen herrschte Hochbetrieb.

Am Abend fand als Abschluss des Festes ein Lampion- und Fackelzug mit anschließendem Feuerwerk statt. Auch dabei waren die Straßen von Besuchern und Gästen überfüllt. Keiner wollte sich das schöne Erlebnis entgehen lassen.

Nach Abschluss des Heimatfestes und Einschätzung des erzielten Ergebnisses fanden zwei Veranstaltungen mit all‘ den fleißigen Helfern statt, die mit Essen u. Trinken bewirtet wurden und anschließend noch einmal das Tanzbein schwingen konnten. Auch die Sängerinnen und Sänger aus Olbernhau, Blumenau und Rothenthal waren dabei noch einmal Gäste des Festausschusses. Das 350-jährige Jubiläum der Gemeinde Rothenthal wird für alle Einwohner

und zahlreichen Gäste unvergesslich bleiben.

Vorwort 42

Das 100-Jährige Schuljubiläum

Bereits 5 Jahre später war im Leben der Schule und des Ortes ein weiterer Höhepunkt: Das 100-jährige Jubiläum des Bestehens der Schule Rothenthal. In Vorbereitung dieses Ereignisses wurden in den Jahren 1978 und 1979 sämtliche Klassenräume renoviert und 1980 das Schulhaus innen vom Hausflur bis zum Läuteboden mit einem neuen Anstrich versehen. Aber auch der Außenanstrich der Schule musste erneuert werden. Das sollte etwa Mitte Juli bis Anfang August 1981 geschehen. Anhaltender Regen im Juli brachte für alle Beteiligten Probleme. Endlich wurden Ende Juli die Rüstleitern angefahren und ab 1. August kam sonniges Wetter. So

gelang es, bis zu Beginn des Festes die Vorder- und die Seitenfassaden fertigzustellen. Die Gerüste konnten noch rechtzeitig abgebaut werden. Nur an der hinteren Fassade und an der Turnhalle wurde noch während der Festwoche weitergearbeitet. Mit der Vorbereitung des Schulfestes wurde ebenfalls ein Jahr vorher begonnen. Der Festausschuss und einige Kommissionen wurden gebildet und nahmen ihre Arbeit auf. Alle Mitglieder des Festausschusses und der Kommissionen nahmen ihre Aufgaben zielstrebig in Angriff. Auf dem Volksheimplatz wurden von der Festplatzkommission unter Leitung von Gottfried Steyer diesmal 3 Zelte aufgestellt. Davon eines für die Gastronomie. Die anderen besonders für die Durchführung von Veranstaltungen der Kinder. Die Eröffnung des Jubiläums fand wieder mit einer Festveranstaltung am Freitag, dem 14.8.1981, statt und wurde in erster Linie von unseren Pionieren und Schülern gestaltet. Der Pionierchor, der FDJ-Singeclub aus Oberneuschönberg, musikalische Darbietungen mit Maja Siegert und Anke Schaarschmidt, Rezitatoren und der

Programm-Sprecherin Anke erfreuten die zahlreichen Einwohner und Ehrengäste mit einem ansprechenden Programm. Die Festansprache hielt Schulleiter W. Schönherr, der in einem kurzen Abriss die Entwicklung der Schule von der Einweihung 1881 bis zum Jubiläum 1981 aufzeigte und besonders die große Bedeutung der sozialistischen Schule bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt unterstrich. Zahlreiche ehemalige Schüler stehen heute als Facharbeiter, Ingenieure, Lehrer und Erzieher oder als Offiziere der bewaffneten Organe ihren Mann und halfen mit, unseren sozialistischen Staat aufzubauen und zu stärken. Kollege Hans Rietschel nannte dann die Namen und den Entwicklungsweg und Aufgabenkreis zahlreicher ehemaliger Schüler, die damit besonders geehrt wurden. Am folgenden Sonnabend und eine Woche später wiederum am Sonnabend fanden zwei Tanzveranstaltungen für Einwohner, ehemalige Schüler und Gäste statt, die der Geselligkeit und dem Zusammengehörigkeitsgefühl gewidmet waren. Am Freitag, dem 15.8, fanden die Eröffnung der Hobbyschau und eine Vorführung von Dienst- und Gebrauchshunden statt. Am Sonntag, dem 16.8. fand auf der Freilichtbühne eine Großveranstaltung mit der Konzert- und Gastspieldirektion statt. Neben einer Filmvorführung und einem Rentnernachmittag wurde dann am Mittwoch, dem 19.8. ein Kinderfest für alle Kinder des Ortes durchgeführt, wobei das VPKA Marienberg, Abt. Feuerwerk, für besondere Höhepunkte sorgte. Die kostenlosen Kutschfahrten für alle Kinder wurden durch die schlechte Witterung beeinträchtigt.

Am Freitag, dem 21.8. fand eine Zusammenkunft mit ehemaligen Schülern und ihren Angehörigen statt, die dem Wiedersehen – oft nach langer Zeit - und dem gegenseitigen Austausch dienten. Jedes Kind erhielt ein Erinnerungsgeschenk in Form eines mit

Früchten bemalten Tellers überreicht und ein Lineal mit Aufdruck.

Ein Festumzug wurde nicht durchgeführt, weil er nur eine kleine Nachahmung des großen Festzuges zum Heimatfest hätte sein können.

Vorwort 43

Zum Abschluss des Schulfestes fand wieder ein Lampion- und Fackelzug mit anschließendem Feuerwerk statt. Der Ort war wie zum 350-jährigen Heimatfest genauso festlich geschmückt und illuminiert.

Auch das Schuljubiläum war für alle Einwohner, ehemalige Schüler und Gäste ein schönes, unvergessliches Erlebnis.

 

Am 31.8.1986 schied Schulleiter W. Schönherr wegen Erreichen des Rentenalters aus dem Schuldienst aus. Als neue Leiterin der TOS Rothenthal wurde die Gen. Heidi Neubert eingesetzt. Für die Übernahme dieser Funktion wurde H. Neubert langfristig vorbereitet und eingearbeitet.

Vorwort 44

Gründung und Tätigkeit des Spielmannszuges in Rothenthal

(nach Aufzeichnungen und Aussagen des Sportfreundes Werner Pollmer)

 

Wenn über die Tätigkeit der Kulturgruppen in Rothenthal berichtet wurde, darf auch der Spielmannszug nicht vergessen werden, denn er hat fast 20 Jahre lang bei kulturellen und sportlichen Veranstaltungen und Höhepunkten im Leben der Gemeinde Rothenthal und in vielen

Orten des Kreises und bei Leistungsvergleichen im Bezirk und in der Republik mitgewirkt.

 

Der Spielmannszug hat eine Tradition, die auf das Bestehen der Arbeiterturnvereine zurückgeht. Es bestanden vor 1933 bereits zwei Turnvereine und zwar der Verein "Gut Heil" (FFFF - Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei) und der Verein "Frei Heil" (FFST - Frisch-Frei-Stark-Treu). Nach Aussagen des Sportfreundes W. Pollmer besaßen beide Turnvereine einen Spielmannszug. Der SZ des FFST wurde 1927 gegründet und bestand bis Ende 1932, Anfang 1933. Mit der Machtergreifung Hitlers wurden die Spielmannszüge verboten, die Instrumente wie Trommeln, Pfeifen, große Trommel wurden beschlagnahmt und nach Olbernhau gebracht.

Der Sportfreund Werner Pollmer wurde bereits mit 8 Jahren Spielmann, zuerst Trommler und dann Pfeifer. Er spielte von 1929 bis zur Auflösung 1932/33 aktiv mit. Leiter des SZ war sein Vater Otto Pollmer. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft im Jahre 1945 hat Otto Pollmer die Instrumente - soweit noch vorhanden - mit dem Handwagen aus Olbernhau zurückgeholt und bildeten den Grundstock für den 1959 neu gegründeten Spielmannszug unter Leitung des Sportfreundes Werner Pollmer. Dazu einige wesentliche Fakten:

Im April 1959 fand im Gemeindeamt die Gründungsversammlung des SZ statt. Es hatten sich 28 Interessenten eingefunden, und es wurde beraten und festgelegt, wer welches Instrument spielen will. Die Einteilung sah folgendermaßen aus:

1 Übungsleiter bzw. Stabführer (Werner Pollmer)

1 Lyra, 1 große Trommel, 1 Paar Becken, 15 Pfeifer und 9 Trommler.

Am 20.4.1959 wurden die Instrumente ausgegeben und die Grundbegriffe mussten erlernt werden. Notenbücher gab es erst im Januar 1960.

Erster Einsatz war zum 10.Jahrestag der DDR 1959 in Rothenthal mit den Märschen "Groß-Berlin“ u. "Sturmlied der Freien Turner".

 

Weil eingangs von der kulturellen Tätigkeit des SZ gesprochen wurde, muss gesagt werden, dass der SZ an Fest- und Feiertagen, bei sportlichen Veranstaltungen, bei Lampion- und Fackelzügen besonders am Internationalen Kindertag usw. stets einsatzbereit war. Es war eine schöne Tradition und alle Einwohner freuten sich, wenn zum Weckruf oder bei Umzügen der SZ mit flotten Märschen und frohen Klängen auftrat.

Wie bereits anfangs erwähnt, wurde der SZ von vielen Orten des Kreises zu Sportfesten bei Lampion- u. Fackelzügen engagiert und mit Freude und Dankbarkeit aufgenommen.

Es gehörte stete Einsatzbereitschaft und großer Enthusiasmus dazu, wenn regelmäßig fast jede Woche weiter geübt wurde und neue Märsche erlernt werden mussten. Die Zahl der Übungsabende betrug zwischen 35 und 40 im Jahr und die Zahl der Einsätze ca. 10 - 15.

Es würde zu weit führen, wenn diese Zahlen im Einzelnen aufgezählt würden. Der Sportfreund Werner Pollmer hat im Laufe der Jahre viele Aufzeichnungen angefertigt und dabei viel Zeit und Energie aufgewendet.

Interessenten können sich bei ihm genau informieren.

Noch kurz ein Überblick über Leistungsvergleiche bzw. Ausscheide der Spielmannszüge auf verschiedenen Ebenen.

Vorwort 45

11.7.1960: Landsportfest in Nauendorf bei Freiberg des Bezirkes Karl- Marx-Stadt -                     einziger Teilnehmer u. damit als Sieger erklärt - Fahrkarte nach Schwerin                            zum Zentralen Landsportfest vom 20.-24.9.1960 erhalten

20.-24.9.1960: Ausscheid der Musik- und Spielmannszüge in Schwerin - von 14 Zügen den                            4.Platz belegt

25.6.19 61:      Bezirksausscheid in Oelsnitz/Erzgeb. - 2.Platz belegt

23.9.1961:       Zentrales Landsportfest in Schwerin - 5.Platz belegt

21.- 23.9.1962: Ausscheid des Bezirksturn- und Sportfestes in K.- M.- St - 3.Platz belegt -                         nachträglich auf 2.Platz korrigiert

24.7.- 5.8.1963: IV. Deutsches Turn- und Sportfest in Leipzig (insges. 360 Spielleute und                            540 Mann Blasorchester - von 49 Zügen den 2 .Platz belegt

13.9.1964:       Bezirksausscheid in Olbernhau - SZ Roth. Bezirkssieger

18.9.1964:       5.Zentrales Landsportfest in Quedlinburg - 4.Platz belegt

22.-30.6.1968: Musikparade der Spielleute im Berliner Stadion.

5.10.1968:       Bezirksausscheid in K.- M.- St. - 2.Platz belegt

24.- 27.8.1969:        5. Deutsches Turn- und Sportfest in Leipzig

22.5.1971:       Bezirksausscheid in Rochlitz - 2.P1atz belegt

19.5.1973:       Bezirksmeisterschaften der Spielmannszüge der Bezirke K.-M.-St. Und                            Leipzig - von 15. Zügen Bezirksmeister

31.5.1975:       Bezirksmeisterschaften in Oelsnitz/Vogtland - 3.Platz belegt

5.6.1976:         Bezirksmeisterschaften in Marienberg - 2.Platz belegt

11.6.1977:       Bezirksmeisterschaften in Werdau - 1.Platz belegt-Bezirksmeister und                                   Goldmedaille

Durch Wegzug und schwindendes Interesse ist der SZ Rothenthal nicht mehr einsatzfähig und löst sich langsam auf. Zu besonderen Anlässen wird noch mit verminderter Spielstärke gespielt.

Vorwort 46

Die Erneuerung der Straßendecke vom Bahnübergang Olbernhau-Grünthal zunächst bis Rübenau (oberhalb des Gasthofes in Verbindung mit dem Erstellen neuer Wasseranschlüsse und Abwasserleitungen (Schrote) im Jahre 1986.

Bereits Ende April 1986 begannen die Mitarbeiter der damaligen VEB Wasserwirtschaft mit dem Erstellen neuer Wasseranschlüsse längs der Talstraße in Olbernhau-Grünthal und Rothenthal beiderseits der Hauptstraße. Dabei musste in vielen Fällen die Straßendecke aufgerissen werden, so dass zeitweilig der Straßenverkehr bereits unterbrochen werden musste. Schwere Technik wurde eingesetzt, um am Straßenrand die Hauptwasserleitung freizulegen und neue Anschlüsse an den Häusern anzubringen. So wurden Schritt für Schritt die Vorbereitungen für die Erneuerung der Straßendecke durchgeführt. Als dann die eigentlichen Straßenbauarbeiten begannen, musste die alte Straßendecke an bestimmten Abschnitten aufgerissen und die mit Erde durchsetzte Beschotterung zunächst abgefahren werden. Das war sowohl in Olbernhau-Grünthal im Bereich der Schule als auch in Rothenthal am Wohngrundstück Volker Ulbricht, Klaus Schlesinger und am Ortsausgang im Bereich VEB Monsator der Fall. Diese Abschnitte wurden dann neu und tiefgründiger beschottert.

Der neue Straßenbelag wurde dann in zwei Abschnitten aufgetragen und zwar zuerst mit einer Grobsplitt-Teerdecke und hinterher mit einer Feinsplitt-Teerdecke. Dabei wurde in verschiedenen Richtungen und abschnittsweise gearbeitet. In Rothenthal z.B. wurde die Grobsplittdecke in Richtung Rübenau aufgezogen, die Feinsplittdecke dagegen vom Ortsausgang in Richtung Pföbe bzw. bis Olbernhau-Grünthal.

Eine gute Zusammenarbeit zwischen VEB Wasserwirtschaft und VEB Straßenbau Karl-Marx-Stadt war Voraussetzung für die kontinuierliche Arbeit an allen Straßenabschnitten.

Ein besonderes Problem stellte die An- oder Auffüllung der Straßenränder dar. Es gibt noch heute - zwei Jahre später - Stellen bzw. ganze Abschnitte, wo die Angleichung an die z.T. erhöhte Straßendecke nicht erfolgt ist, so dass sowohl Fußgänger als auch Kraftfahrer gefährdet sind.

Vergessen werden darf nicht, dass im unteren Teil Rothenthals und auch in Olbernhau-Grünthal Straßenbordsteine zur Begrenzung von Fahrbahn und Fußsteig eingesetzt bzw. einbetoniert wurden.

Leider konnte in Rothenthal der Fußsteig bis Ende 1988 weder beschottert noch mit einer Splittdecke aus Mangel an Material oder Geld belegt werden. An der Bereitschaft der Einwohner, diese Arbeiten durchzuführen, fehlt es jedenfalls nicht.

Am Rande dieser Berichterstattung sei vermerkt, dass beim Auftragen der Feinsplittdecke viele Hausbesitzer diesen Belag längs ihres Hauses - gewissermaßen bis vor die Haustür - aufgetragen erhielten, während an den Zu- und Ausgängen vor der Schule und am Parkplatz vor dem Schulgarten kein Material vorhanden war. Es sind nur wenige Quadratmeter, aber sicher war kein Anreiz in Form von Trinkgeld vorhanden. Auch das muss gesagt werden.

Im Jahre 1987 wurde die Erneuerung der Straßendecke von Rübenau bis Kühnhaide und 1988 von Kühnhaide bis Reitzenhain – Anschluss Hauptstraße Marienberg - Grenzübergang Reitzenhain - weitergeführt und fertiggestellt.

Für Verkehrsteilnehmer ist es eine Freude, diese Strecke zu befahren.

Vorwort 47

VERMÖGENSVERZEICHNIS DER GEMEINDE

1902:

Straßenschüttung von fünf zu fünf Jahren mit einem Kostenaufwand von 2400 Mark - jährlicher Unterhalt 480 Mark - Gemeinderat von Olbernhau an Gemeinderat von Rothenthal (Antrag auf schiedsrichterliche Erledigung nach den Bestimmungen des Wegebaugesetzes wird angezeigt)

1.12.1994:

Schreiben der Königlichen Amtshauptmannschaft an Gem.-Rat Roth. Betr. Planausarbeitung für die Straßenverbreiterung im Dorfe Rothenthal – Grundstücksbesitzer noch vor endgültiger Fertigstellung der Zeichnungen mit dem Projekt bekannt machen, um Wünsche der Anlieger und sonstiger Interessenten Berücksichtigung finden lassen

Die Ausgaben des Kommunikationsweges belaufen sich im Jahre:

1901:   483,95 Mark

1903:  6080,23 Mark

1904:  2928,06 Mark

1905:  3100,00 Mark

 

3.12.1905:

Schreiben der Königlichen Amtshauptmannschaft an Gemeindevorstand Köllner: Aufforderung, die Straße von Schlamm und andere erforderliche Arbeiten ausführen zu lassen und binnen 8 Tagen anzuzeigen

18.11.1905:

Schreiben der Königlichen Amtshauptmannschaft – Verbreiterung der Natzschungtalstraße bis auf weiteres verschoben - Festsetzung einer Baufluchtlinie wird gefordert und zwar so, dass etwaige Neubauten einer späteren Verbreiterung bzw. Verbesserung nicht hinderlich im Wege stehen. Verhandlung am Freitag, 24.11.1905 um 3 Uhr nachmittags, im Clementischen Gasthof –Rat-der-Gemeinde soll beschlussfähig erscheinen

 

14.6.1906:

Schreiben des Gem.-Rates an Königliche Amtshauptmannschaft betr.

Abnutzung der Straße Grünthal, Rothenthal, Rübenau durch Geschirre innerhalb von 3 Tagen:

Rothenthaler Geschirre                                         56

Auswärtige Geschirre aus dem sächs. Forstrevier           59

(Klötzer- und Holzfuhrwerke)

Aus den angrenzenden böhmischen Wäldern                   70

(Klötzer- und Holzfuhrwerke)

Vom benachbarten Brandau (Kohlengeschirre)                 163

Aus Rübenau kommende Bretter-, Holz- und Frachtfuhren 87

Versch. Frachtgeschirre z.B. Mehl, Bier u.a. Fuhren       66 

                                                            Zus. 501 F.

Rothenthal hat große Ausgaben wegen Ausbesserung der Straße.

Die Instandsetzung der Straße wird mit 13000 – 15000 Mark angegeben – Rothenthal will einen Beitrag von 5000 Mark erbringen, die Mehrzahl der Geschirre kommt aus anderen Orten bzw. Bereichen  

Vorwort 48

WEITERE VORKOMMNISSE IN DER GEMEINDE

 

Einige wesentliche Fakten aus alten Protokollbüchern

25. 4.1839:  Wahl der Gemeindeglieder (Gemeindevertreter) - 24 Personen Wahl des Gemeinderates – insgesamt 6 Personen

 

10.5.1839: Papiermühlenbesitzer Winkler legt ärztliches Zeugnis (Attest) vor und bittet um Entbindung von seinem Amt -wird anerkannt -Nachfolger wurde Eisenhammerbesitzer W. Schlesinger

 

Wahl des Vorstandes - von 6 Stimmen erhielt Johann Gottlob Börner 5 Stimmen

Wahl des Gemeindeältesten –

Holzeinschläger Chr. Friedrich Hiekel erhielt   3 Stimmen

Fürchtegott Schönherr                            2 Stimmen

 

2.Wahlgang

Friedrich Hiekel erhielt                           4 Stimmen

Fürchtegott Schönherr                            2 Stimmen

 

Die Zahl der Gemeindeausschusspersonen wurde durch Gotthelf Hiekel (6 Stimmen) und Gottlieb Helbig (6 Stimmen) wieder vervollständigt

 

Gemeindevorstand und Gemeindeältester legen vor Gott einen Eid ab, daß sie mit dem Gemeindevermögen getreulich umgehen und nach bestem Wissen und Gewissen mit Einsicht und Umsicht das Beste des Gemeindewesens im Sinne haben

 

6.7.1839: Zum bevorstehenden Schulbau wird eine Pfennigsteuer angelegt, wozu jede Person über 14 Jahre, die im Schulbezirk wohnt, wöchentlich einen Pfennig beitragen soll - einstimmiger Beschluss des Gemeinderates

 

5.4.1840: Gemeinderat beschließt, dass Zur Aufbringung der finanziellen Mittel für den Schulbau die Hausbesitzer in 3 Klassen eingeteilt werden.

Zur 1. Klasse gehören vorwiegend die Fabrikbesitzer (8 Pfennig)

Zur 2. Klasse die Hauseigentümer (6 Pfennig und

Zur 3. Klasse alle übrigen (4 Pfennig)

 

21.2.1841 Gemeinderat beschließt, dass das Schulhaus von Maurermeister Kaden aus Dörnthal gebaut werden soll (eingereichter Riss von Kreisdirektion genehmigt) - erforderliches Kapital soll erborgt werden nachher durch Anlagen und Pfennigsteuer wieder tilgen

Ca 1844 wurde Schule gebaut – Lehrer Langer

 

Straßenbau bzw. Verlegung der Straße zwichen Rothenthal, Kupferhammer Grünthal und Olbernhau geplant

 

Schriftverkehr zwischen Gemeinderat Rothenthal  (besteht aus 10 Personen 8 anwesend), Amtshauptmann „von Oppen“, Gemeinderat Olbernhau (besteht aus 14 Personen - 11 anwesend)

 

Anträge auf Entschädigung wurden gestellt – Beihilfe von Betrieben und Einzelpersonen – Gemeinde Rübenau 300 Mark – Personen von Olbernhau usw. – Gesamtbetrag 1141 Mark

 

Schreiben vom 26. November 1898 an Gemeinde-Vorstand Reichel:

Neugebaute Straßenstrecke zwichen Rothenthal und Kupferhammer Grünthal ist fertiggestellt und dem öffentlichen Verkehr übergeben worden – die förmliche Übergabe der Straße voraussichtlich im Mai 1899 (Königliche Amtshauptmannschaft)

Vorwort 48-1 Fehlt!!!

 

Vorwort 49

Vorwort 50

 

Gefallene des 1. Weltkrieges

1914 – 1918

                                                                                                                 

Familien- und Vorname

Beruf

geboren am

gefallen, vermisst oder gestorben

 

Bauer, Hermann

Metallarbeiter

23.6.1879

10.9.1917

Bräuer, Paul

Linealmacher

2.9.1884

2.2.1916

Blei, Alfred

Metallarbeiter

27.6.1886

8.4.1915

Blei, Anton

Holzdrechsler

20.8.1880

17.7.1918

Berger, Traugott

Metallarbeiter

11.6.1880

28.9.1918

Berger; Traugott

Metallarbeiter

11.6.1880

28.9.1918

Reichl, Franz

Metallarbeiter

23.10.1873

5.8.1915

Friedrich, Albert

Holzarbeiter

5.11.1885

1915

Friedrich, Alfred

Holzarbeiter

2.8.1879

19.7.1916

Gläßer, Max

Holzarbeiter

7.3.1898

14.5.1918

Gläßer, Hugo

Holzarbeiter

15.1.1892

10.10.1918

Gründig, Max

Metallarbeiter

17.4.1891

6.3.1917

Helbig, Lisko

Holzarbeiter

12.1.1884

8.10.1914

Helbig, Oswin

Holzarbeiter

26.3.1882

26.9.1914

Ihle, Willy

Schlosser

10.9.1896

25.10.1915

Körner, Otto

Holzarbeiter

10.3.1893

17.3.1915

Körner, Bruno

Holzarbeiter

17.2.1890

7.3.1915

Kaden, Otto

Schutzmann

13.4.1882

18.4.1917

Kreher, Willy

Holzarbeiter

21.1.1892

11.10.1918

Kreher, Martin

Lohnarbeiter

30.9.1891

18.4.1917

Kästner, Bruno

Metallarbeiter

6.1.1890

4.11.1914

Kästner, Martin

Metallarbeiter

10.9.1894

1.9.1918

Kästner, Rudolf

Metallarbeiter

13.12.1893

14.10.1914

Langer, Richard

Metallarbeiter

9.11.1884

15.7.1918

Langer, Arno

Metallarbeiter

20.10.1890

16.10.1917

Pallent, Otto

Kaufmann

1.12.1896

20.9.1917

Spindler, Hermann

Wiegemeister

11.1.1885

12.1.1915

Schreiter, Alfred

Metallarbeiter

3.6.1893

12.4.1916

Schönherr, Bruno

Drechsler

13.8.1878

9.4.1915

Schönherr, Arno

Metallarbeiter

19.2.1882

1916

Schönherr, Martin

Holzdrechsler

23.6.1888

26.9.1915

Schönherr, Willy

Holzdrechsler

8.10.1896

27.3.1918

Uhlig, Martin

Kistenmacher

29.8.1887

29.10.1914

Uhlig, Richard

Metallarbeiter

21.9.1886

26.9.1914

Weigelt, Bruno

Geschirrführer

2.3.1889

20.11.1916

Winkler, Kurt

Kaufmann

11.11.1890

16.9.1916

Viehweg, Alfred

Holzarbeiter

17.10.1897

1.11.1918

Hiekel, Bruno

Holzarbeiter

8.5.1882

10.8.1916

Langer, Arno

Holzarbeiter

8.1.1896

6.6.1916

Gläßer, Arthur Gustav

Holzarbeiter

23.2.1890

17.9.1917

40

 

 

 

 

Vorwort 51

Vorwort 52

Vorwort 53

 

Gefallene des 2. Weltkrieges

1939 – 1945

 

 

Familien- und Vorname

Beruf

Geboren am

Gefallen, vermisst oder gestorben

 

Langer, Herbert

 

3.11.1917

7.9.1939

Busko/Polen

Enzmann, Walter

Tischler

29.6.1916

24.9.1939

Lodz

Zenker, Otto

Masch. Arbeiter

15.11.1904

10.12.1940

Belgien

Ulbricht, Werner

Packer

25.7.1912

3.8.1941

Kochanowka

Tharandt, Helmut

Kaufmänn. Angestellter

15.10.1920

15.2.1942

Gorodilowo

Pflugbeil, Walter

Dek. Maler

26.1.1913

5.8.1941

Jamaska

Ebert, Reinhold

Maurer

18.10.1910

7.11.1941

Gorbowa

Schubert, Hans

Reisender

11.6.1913

19.12.1942

Remontnaja

Herklotz, Walter

Landw. Gehilfe

18.2.1922

3.6.1942

Östl. Kriegss.

Grämer, Werner

Tischler

14.12.1919

29.10.1941

Östl. Kriegss.

Klug, Herbert

Holzdrechsler

28.12.1922

30.6.1942

Sewastopol

Helm, Heinz

Zollassistent

7.4.1914

3.1.1943

Grusinow

Frenzel, Werner

Lagergehilfe

16.9.1919

15.1.1943

Malaja-Bal.

Bauer, Erich

Holzarbeiter

21.11.1915

19.1.1942

Schumakowa

Helbig, Rudi

 

2.7.1912

19.6.1943

Niskowa

Reichel, Erich

Holzarbeiter

5.3.1921

26.8.1942

Marino

Schmieder, Horst

Werkst. Schreiner

8.12.1923

10.9.1942

Tartolowo

Gläßer, Heinz

Maschinenarbeiter

7.9.1923

19.9.1942

Nikolskoje

Schönherr, Walter

Bu.-Schmied

17.02.1908

27.2.1943

Östl. Kriegss.

Tanneberger, Kurt

Zimmermann

21.3.1909

3.6.1943

Tjentiste

Brettfeld, Otto

Maurer

14.9.1910

19.8.1943

Lagobesje

Siegmann, Friedrich

Zoll.-Sekretär

10.9.1905

16.4.1944

Kozowa (Gal.)

Klenot, Werner

 

10.9.1920

21.5.1944

Vallecorsa/It.

Hänel, Willy

Holzarbeiter

22.1.1927

15.4.1944

Raghun

Gläßer, Rudolf

Holzarbeiter

15.10.1900

15.4.1945

Italien

Helbig, Max

Walzer

12.12.1897

11.12.1945

Vinkovci/Jug.

In Gef. Verst.

Herklotz, Walter

Holzarbeiter

11.3.1907

25.12.1944

Bei Trier

Bach, Walter

Holzarbeiter

5.7.1914

 

 

Langer, Rudi

 

 

 

 

Stiehl, Horst

 

 

 

 

Stiehl, Heinz

 

 

 

 

Uhlig, Werner

 

 

 

 

Keilig, Erhard

 

 

 

 

Schönherr, Helmut

 

 

 

 

Stephani, Jochen

 

 

 

 

Reichel, Arno

 

 

 

 

Schmidt, Rudolf

 

 

 

 

Eilenberger, Hans

 

 

 

 

Eilenberger, Gottfried

 

 

 

 

Ziegert, Willy

 

 

 

 

Trautsch, Rudi

 

 

 

 

Köppe, Werner

 

 

 

 

Uhlig, Heinz

 

 

 

 

Glöckner, Hans

 

 

 

 

Schmiedel, Hans

 

 

 

 

Kaulfuß, Albert

 

 

 

 

Seifert, Hans

 

 

 

 

Liebscher, Erwin

 

 

 

 

Drechsler, Hans

 

 

 

 

Emmrich, Helmut

 

 

 

 

Müller, Paul

 

 

 

 

Grießig, Willi

 

 

 

 

Zänker, Albert

 

 

 

 

Bauer, Helmut

 

 

 

 

Timmel, Willi

 

 

 

 

Bauer, Ewald

 

 

 

 

Baldauf, Hans

 

 

 

 

Reichel, Karli

 

 

 

 

Planek, Alex

 

 

 

 

Spindler, Kurt

 

 

 

 

Schmieder, Gottfried

 

 

 

 

Legler, Kurt

 

 

 

 

Ihle, Heinz

 

 

 

 

Neumann, Rudolf

 

 

 

 

Bach, Otto

 

 

 

 

Uhlig, Helmut

 

 

 

 

Hanisch, Helmut

 

 

 

 

Preißler, Hans

 

 

 

 

Langer, Herbert

 

 

 

 

Buschmann, Martin

 

 

 

 

Fichtner, Rudi

 

 

 

 

Schönherr, Walter

 

 

 

 

Müller, Erich

 

 

 

 

Schmerl. Arno

 

 

 

 

Bauer, Kurt

 

 

 

 

Schönherr, Herbert

 

 

 

 

Gnauck, Kurt

 

 

 

 

Uhlig, Hans

 

 

 

 

Brand, Erich

 

 

 

 

Fabig, Heinz

 

 

 

 

80

 

 

 

 

Von der Pföbe

 

 

 

 

Reuther, Walter

 

 

 

 

Seifert, Albert

 

 

 

 

Seifert, Heinz

 

 

 

 

Schlesier, Kurt

 

 

 

 

Schönherr, Hans

 

 

 

 

Langner, Otto

 

 

 

 

Helmert, Rudi

 

 

 

 

Polmer, Walter

 

 

 

 

Bauer, Heinz

 

 

 

 

Engelhard, Werner

 

 

 

 

Kaden, Herbert

 

 

 

 

11

 

 

 

 

 

 

Vorwort 54

Wahl der Gemeindevertretung am 6.5.1990 - Konstituierung am 1.6 1990

Name, Vorname

Geb. am

Erlernter Beruf

Jetzige Tätigkeit

Bemerkungen

Reichmann, Bernd

25.03.1950

Metalldreher

Bürgermeister

 

Kempf, Siegfried

10.01.1948

Holzdrechsler

Selbst. Handwerker

 

Schaller, Hannes

06.11.1957

Maler

Gemeindearbeiter

 

Hamann, Rolf

07.09.1952

Holztechniker

 

Antrag v. 14.06.1992 auf Mandats-niederlegung

am 02.07.1992 bestätigt

Hofmann, Gerd

22.05.1956

Elektriker

 

 

Wagner, Bernd

20.08.1963

Orthopäd. Schuster

Gemeindearbeiter

 

Lichtenberger, Siegrid

19.10.1949

Industriekauffrau

Kämmerin

 

Stiehl, Bernd

10.10.1957

Instandhaltungs-Mechaniker

Heizungsmonteur

 

Lübke, Uwe

18.04.1954

Kfz.-Schlosser

 

 

Dewes, Roland

23.01.1941

Schlosser

Schlosser

 

Walther, Hartmut

29.03.1952

Fernmeldemonteur

Selbst. Handwerker

 

Hübler, Rainer

14.05.1948

Klempner

Installateur

 

Stephanie, Peter

06.07.1936

Möbeltischler Spielzeughersteller

Selbst. Handwerker

Verst.14.09.1991

Seifert, Thomas

10.05.1961

Polsterer und Sattler

Mitarbeiter bei Getränkeoase

 

Reichmann, Carin

11.10.1950

Spielzeugherst. Wirtschaftskauffrau

Sparkassenangestellte

 

Schneider, Dieter

30.09.1941

Bäcker, Metallurge

ABM-Mitarbeiter

Nachfolgekandidat für P. Stephani, vereidigt am 22.11.1991

Weber, Reiner

15.09.1940

Holzdrechsler

Oberflächenbearbeitung

Elektrohelfer

ABM-Mitarbeiter

Nachfolgekandidat für R. Hamann vereidigt am 23.07.1992

 

Vorwort 55

DER GEMEINDERAT

Gemeindevertretersitzungen im Jahre 1990

01. Juni 1990:   Konstituierende Sitzung der gewählten Gemeindevertreter

12. Juni 1990    2. Sitzung

05. Juli 1990     3. Sitzung

14. Sept. 1990  4. Sitzung

18. Sep. 1990   5. Sitzung

26. Okt. 1990   6. Sitzung

 

Vorwort 56

Übergang zur Wende 1989

Bereits zur Volkskammerwahl im Mai 1989 zeichnete sich deutlich ab, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung in der DDR und auch im Ort Rothenthal immer mehr zugenommen hatte. Es gab bei dieser Wahl eine relativ große Zahl von Nein-Stimmen, Nichtwählern und ungültigen Stimmen. Die wahren Ergebnisse der Wahl in den Städten und Gemeinden wurden in den zentralen Wahlbüros so manipuliert, dass am Ende ein Wahlergebnis zustande kam, dass ein völlig unreales Bild entstand.

Wodurch war die Unzufriedenheit der Menschen so enorm gewachsen? Dafür können mehrere Gründe genannt werden.

1. Die DDR war wirtschaftlich stark im Sinken bzw. am Ende. Viele Waren waren Mangelware geworden oder es gab nur selten einmal in geringer Menge zu kaufen (Südfrüchte und Gebrauchswaren).

2. Der technische Zustand in den meisten Betrieben war veraltet, es fehlte an moderner Technik und z.T. an Rohstoffen.

3. Am meisten waren die Menschen darüber verärgert, dass sie nicht oder nur in besonderen Fällen mit großen Schwierigkeiten in die BRD reisen konnten, um Verwandte, Freund oder Bekannte zu besuchen. Auch Urlaubsreisen in andere westliche Länder konnten nicht unternommen werden. Die Reisefreiheit war nicht garantiert.

4. Als weiterer Grund muss genannt werden, dass die DDR-Mark zu wenig Kaufkraft besaß und sich viele Menschen die West-Mark herbeisehnten.

Die angeführten Fakten sind nicht vollständig und könnten noch erweitert werden. Es wurde immer deutlicher, dass Partei (SED) und Regierung nicht mehr imstande waren, die negative Entwicklung der DDR zu korrigieren oder aufzuhalten. Es zeigte sich in der Folgezeit der Wende, dass Betrügereien und Aneignung staatlichen Eigentums durch hohe Funktionäre den Zerfall der sogenannten sozialistischen DDR beschleunigt hatten. Aus Presse, Funk und Fernsehen wurde täglich neue Vergehen bekannt, die hier im einzelnen nicht dargestellt zu werden brauchen. In der DDR hatten zwar die meissten Menschen ihren Arbeitsplatz, aber eine große Zahl von Mitarbeitern in der SED, in den Blockparteien, in der Gewerkschaft und in den staatlichen Betrieben waren unproduktiv und zehrten somit am Volksvermögen.

All diese Erscheinungen führten etwa im August 1989 dazu, dass Zehntausende Vorwort 57 DDR-Bürger über Ungarn ihre Heimat verließen und in die BRD übersiedelten. Nach Öffnung der Mauer in Berlin und danach der Grenzen zwischen DDR und BRD verstärkte sich die Abwanderung noch.

In vielen Städten und größeren Gemeinden begannen die Demonstrationen der Bürgerbewegungen, um gegen die Missstände in der DDR zu demonstrieren und zu protestieren. Zahlreiche Bürger Rothenthals nahmen an Demonstrationen und Kundgebungen in Olbernhau teil. Es wurde immer deutlicher, dass die Mehrheit der Menschen in der DDR die Nase voll hatte vom Sozialismus/Kommunismus und dass sie gewillt war, die Einheit der Deutschen hüben und drüben zu erlangen.

In dieser Zeit setzte eine große und wirkungsvolle Kampagne zahlreicher Politiker der BRD ein, die den Bürgern der DDR große Versprechungen machten und die schnelle Einführung der D-Mark in Aussicht stellten.

So kam es am 01. Juli 1990 zur Durchführung der Währungs- und Sozialunion, bei der die Bürger der DDR ihre Ersparnisse bis 4000,- Mark im Verhältnis 1 : 1 und die weiteren Beträge 1 : 2 umgerechnet erhielten. Eine Vergünstigung hatten dabei die Rentner – die ihr Leben lang geschuftet hatten – und dafür bis 6000,- Mark im Verhältnis 1 : 1 umgewertet erhielten. Viele Rentner konnten von diesem Vorteil leider keinen Gebrauch machen, weil ihre Ersparnisse niedriger waren.

Vorwort 58

W a h l e n nach der Wende

1. Volkskammerwahl am 18.03.1990 in der Gemeinde Rothenthal

Insgesamt standen 4 Gruppierungen (Listen) zur Wahl:

BFD (FDP), DFD, CDU, und Bürgerinitiative

       BFD (FDP):              5 Kandidaten

       DFD:                     3 Kandidaten

       CDU:                     11 Kandidaten

       Bürgerinitiative:        6 Kandidaten

 

Als Ergebnis der Wahl wurden mit der größten Zahl der Stimmen folgende

Abgeordnete für die Gemeindevertretung gewählt:

Fraktion Bürgerinitiative 5 Abgeordnete:

Bernd Reichmann, Bernd Stiehl, Uwe Lübcke, Hannes Schaller und R. Hübler

vom DFD: Carin Reichmann

Vom BFD (FDP): Sigrid Lichtenberger u. Siegfried Kempf

Diese 8 Abgeordneten bilden die stärkste Fraktion.

Fraktion der CDU: 7 Abgeordnete:

Gerd Hofmann, Bernd Wagner, Roland Dewes, Rolf Hamann, Hartmut Walther, Peter Stephani und Thomas Seifert.

Am 01.06.1990 konstituierte sich die neue Gemeindevertretung mit insgesamt 15 Abgeordneten. Als Bürgermeister wurde Bernd Reichmann von der Bürgerinitiative gewählt, als Stellvertreter Siegfried Kemp, BFD (FDP).

 

2. Landtagswahl am 14.10.1990

Die Landtagswahl Sachsen erbrachte folgendes Wahlergebnis:

       Wahlberechtigte:       572

       Abgegebene Stimmen   516 (90,2%) im Wahllokal abgegebene Stimmen: 490

Liste        Erststimme              Zweitstimme

CDU               376 (78,33%)           390 (80,58%

SPD               26 ( 5,42%)             32 (6,61%)

DSU              31 (6,46%)              16 (3,92%)

PDS               18 (3,75%)              16 (3,3%)

FDP                17 (3,54%)             14 (2,89%)

Forum                    12 (2,5%)                5 (1,03%)

NPD               -                         -

DA                 -                         -

Gültige Stimmen 480                       484

Ungült. Stimmen  10                          6

                    490                      490

 

3. Bundestagswahl am 02.12.1990

Wahlberechtigte:                           539

Insgesamt abgegebene Stimmen:          462 (85,71%)

Im Wahlraum abgegebene Stimmen:       443

Erststimmen      

1. Dr. Schmidt, CDU                       252 (58,74%)

2. Diekmann, SPD                                        68 (15,85%)

3. MR Dr. med. Steinhardt, PDS          21 (4,90%)

4. Seidel, DSU                              7 (1,63%)

5. Jasper, FDP                              50 (11,65%)

6. Wolf, B90/Grüne                         31 (7,32%)

    Gültige Stimmen                         429

 Ungültige Stimmen                          14

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